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NATURZYT-Ausgabe Juni 2021

Naturgarten – ein natürlicher Lebensraum für die Artenvielfalt

Staudenhecken im Blüte

Blütenreiche Staudenhecken für kleinere Gärten

Hecken müssen nicht immer aus Wildsträuchern bestehen. Geeignete Stauden bieten auch für kleine Gärten eine blickdichte, ästhetische und blütenreiche Alternative.

Für viele Menschen ist der Garten eine Erweiterung des Wohnraums. Ein Ort der Intimität, der vor allzu neugierigen Blicken geschützt werden soll. Im naturnahen Garten wird dafür meist eine Wildstrauchhecke eingesetzt. Diese Art der Abschirmung ist jedoch mit einem gewissen Raumverlust verbunden. Eine vielfältige Wildstrauchhecke, idealerweise mit angrenzendem Krautsaum, kann je nach Standort und Bodenbeschaffenheit 3 bis 4 Meter breit werden. Nicht jeder Gartenbesitzer oder jede Gartenbesitzerin hat aber so viel Platz. In kleineren Gärten werden deshalb oft geschnittene Formhecken oder Sichtschutzelemente als Abgrenzung verwendet. Diese Formen der Deckung sind jedoch ökologisch weniger wertvoll und visuell meist sehr monoton.

Eine blütenreiche Staudenhecke als Alternative

Vor allem in kleinen Gärten bieten blütenreiche Staudenhecken eine interessante Alternative als Sichtschutz. Einerseits bieten sie über das ganze Jahr gesehen zahlreichen Insekten und Vögeln Nahrung und Lebensraum. Andererseits ergeben die bunten Blüten und je nach Auswahl farbigen Stängel und Blätter mit ihren zahlreichen Farben und Formen vielfältige und interessante Bilder. Überdies sind Staudenhecken mit ihrer linearen Struktur sehr schmal. Bei entsprechender Auswahl benötigen sie nur 80 Zentimeter bis 1 Meter Platz. Werden sie mit pflegeleichten, langlebigen Stauden und Gräsern sowie mit Zwiebelblumen für den Frühjahrsaspekt bepflanzt, können sie wie Wiesen gepflegt werden. Entweder mit einem Balkenmäher (80 cm) oder mit der Sense. Ein Teil des Schnittgutes kann als Mulchmaterial in der Staudenhecke liegen gelassen werden.

GROSSSTAUDEN ALS SICHTSCHUTZ

Staudenhecken sind im Übrigen nichts Neues. Vielleicht können sie sich an Bilder wogender Bauerngartenpflanzungen erinnern? Da haben sich mannshohe Grossstauden wunderbar am Gartenzaun angelehnt und den Gemüsegarten wunderbar abgeschirmt. Noch heute finden sich dafür viele Beispiele in Gärten Nord- und Osteuropas sowie im Alpenraum. Angelehnt an den traditionellen Bauerngarten können hochwachsende Grossstauden somit nicht nur im klassischen Staudenbeet gepflanzt, sondern auch als blickdichter Sichtschutz eingesetzt werden. Dabei nutzt man äusserst standfeste, hohe Stauden oder auch hochwachsende, stabile Gemüsepflanzen als Gerüstbildner. Hinzu kommen Stauden von mittlerer Höhe und Stauden, die den Boden zu den Seiten hin abdecken. Auf der Süd-/Ostseite stehen dabei sonnenliebende Pflanzen, auf der Nord-/Westseite befinden sich die Schatten bevorzugenden Pflanzen. Kommen früh austreibende Kleinblumenzwiebeln (Blüte im Februar bis Ende April) und Grossblumen zwiebeln (Blüte ab April bis Juni) hinzu, ist eine Staudenhecke das ganze Jahr über ansprechend. Je nach Kombination mit Gräsern ermöglichen Staudenhecken bereits ab Mai einen nützlichen Sichtschutz. Im Folgenden stellen wir Ihnen drei Heckentypen vor, die für 80 Zentimeter Beetbreite gerechnet sind.

Echter Eibisch, Agastache und Weinraute bilden zusammen eine dichte Hecke.

DYNAMISCHE WILDPFLANZENHECKE

Der Blühstreifen aus der extensiven Landwirtschaft eignet sich auch als Heckenelement. Bei dieser Variante bestimmen kurzlebige (ein- und zweijährige) Pflanzen, kombiniert mit mehrjährigen Stauden, das Bild. Zweijährige Rosettenpflanzen, wie Karden, Kratz- und Eselsdisteln, Kletten (Arctium), bestimmte Königskerzen-Arten, Wilde Malve (Malva sylvestris), Färberwaid und Muskatellersalbei bieten Struktur und den gewünschten Sichtschutz. Unterhalb dieser imposanten Gesellen schicken sich z.B. Reseden, Gewöhnlicher Hornklee (Lotus corniculatus), Natternkopf (Echium vulgare) sowie Färberkamille (Anthemis tinctoria). Trotz ihrer eher kurzen Lebensdauer halten sich solche Wildpflanzen durch reiche Selbstaussaat und verleihen diesem lebendigen Zaun jedes Jahr ein neues Kleid. Dynamik bringt Abwechslung und Erfrischung fürs Auge! Da es sich bei den oben genannten Arten vorwiegend um Sommerblüher handelt, kann die Blütezeit mit Geophyten
(Zwiebel- und Knollenpflanzen) und passenden Frühjahrsblühern verlängert werden. Ab April bis Juli zeigen die Gewöhnliche Nachtviole (Hesperis matronalis) und das Einjährige Silberblatt (Lunaria annua) ihre bezaubernden Blüten und verströmen einen lieblichen Duft . Aus ökologischer Sicht freut sich die auf grossblütige Kreuzblütengewächse (Brassicaceae) spezialisierte Senf-Blauschillersandbiene (Andrena agilissima). Denn dieser Pollen ist für ihre Brut lebensnotwendig. Sowohl Karde, Eselsdistel, Färberwaid, Königskerze als auch Silberblatt zieren alle durch ihre verdorrten Blütenstände den Winter hindurch. Dieses bezaubernde Winterskelett bietet Vögeln Nahrung, Insekten Schutz sowie Überwinterungsmöglichkeiten und hält die Hecke bis zum Neuaustrieb im Frühling auf einer gewissen Höhe. Fazit, kein Rückschnitt vonnöten! Diese Variante erfordert obendrein einen geringen Pflegeaufwand. Man sollte lediglich darauf achten, dass sich innerhalb der Fläche offener Boden befindet, damit sich kurzlebige Arten durch Selbstaussaat halten können.

MEDITERRANE HALBSTRÄUCHER UND TROCKENKÜNSTLERHECKE

Für Einfassungen und niedrigere krautige Hecken an warmen, durchlässigen und trockenen Standorten sind robuste Halbsträucher und horstige, wärmeliebende Stauden prädestiniert. Der Edel-Gamander (Teucrium chamaedrys) bringt mit der Zeit niedere, jedoch sehr dichte Buschformationen hervor und lockt mit seiner Blüte die putzigen Wollbienen-Arten (Anthidium). Im Hintergrund steigt der Echte Lavendel (Lavandula angustifolia) empor und bezirzt mit seinem Duft und der violetten nBlütenpracht die Umgebung. Eine dunkelweinrote Schönheit namens Mazedonische Witwenblume schmiegt sich zum Lavendel und nebenan dehnt sich das Aroma der Zitronenmelisse aus. Fast wie in der Provence! Als Solitäre und Strukturbildner eignen sich Muskatellersalbei, Ruthenische Kugeldistel (Echinops ritro), Indigolupine (Baptisia australis), Grosse Ochsenzunge (Anchusa azurea), Gold-Aster (Chrysopsis speciosa), Hirschwurz-Haarstrang (Peucedanum cervaria), Th üringer Strauchpappel (Lavatera thuringiaca), Kandelaber- Königskerze (Verbascum olympicum) und Spanische Katzenminze (Nepeta tuberosa). Für den silbrig-seidenen Aspekt kann gerne mit Woll-Ziest (Stachys byzantina) und Seidiger Königskerze (Verbascum bombyciferum «Polarsommer») ergänzt werden. Dazu Dornige Hauhechel (Ononis spinosa), Blutroter Storchschnabel (Geranium sanguineum) und Prachtkerze (Oenothera linheimeri).

Natürlich können bei dieser Variante auch Kleinsträucher wie Strauchkronwicke (Hippocrepis emerus), Strauch-Brandkraut (Phlomis fruticosa) und Ginster-Arten integriert werden, denn sie steuern eine zusätzliche Struktur für den Winter bei, sind ökologisch von immenser Wertigkeit und strahlen Unverwüstliches aus. Damit die Halbsträucher in Form und vital bleiben, empfiehlt sich ein radikaler Rückschnitt im zeitigen Frühjahr, somit verhindert man Verkahlung und regt ein kompaktes und zudem gesundes Wachstum an. Einladende Düfte, mediterrane Farben und hoher Pollen- sowie Nektarwert prägen diese Variante. Die Insekten freut’s!

Kardy-Hecke von Frank Meissner (MehalsGmües)

MEHRJÄHRIGE GEMÜSEUND PRACHTSTAUDENHECKE

Hier bringen starkwüchsige Gemüsepflanzen wie Kardy (Cynara cardunculus), Mangold, Liebstöckel, Rhabarber, Gewürzfenchel und Meerrettich ihr volles Wuchspotenzial mit ein. Durch diese Eigenschaft en entwickelt sich mit der Zeit eine dichte Wand mit kulinarischem Wert! Echter Alant (Inula helenium), Schuppenköpfe (Cephalaria), Echter Eibisch (Althaea o¬ cinalis), Schmalblättriges Weidenröschen (Epilobium angustifolium), Kohl-Kratzdistel (Cirsium oleraceum), Französischer Milchlattich (Cicerbita plumieri), Wasserdost (Eupatorium cannabinum), Chinaschilf (Miscanthus sinensis), Baldrian, Grosse Engelwurz (Angelica gigas), Stockrosen und starkwüchsige Sorten des Purpur-Sonnenhuts dekorieren das Festmahl mit einer schmückenden Note. Wer Kultursorten von Mangold und Endivie (Cichorium endivia) nach dem ersten Jahr stehen lässt, erlebt im zweiten Jahr eine spektakuläre Verwandlung. Mannshohe Blütenstände mit reichlich Nahrung für die Insekten! Wahrlich eine tolle Bereicherung.
Im Gegensatz zu den anderen Varianten benötigen diese Pflanzen mehr Nährstoffe und Feuchtigkeit. Abgestorbene Pflanzenteile werden über den Winter in der Hecke liegengelassen undim Frühjahr kann Kompost verteilt werden. Viel Freude beim Ernten und Bestaunen!

Text Isabelle Blum, Sebastian Wagener Fotos Sebastian Wagener

Naturnaher Garten und Natur im Siedlungsraum
Isabelle Blum, Naturmensch, Umweltberaterin,
Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!, www.isabelleblum.ch 

Sebastian Wagener, Naturmensch, Produktionsleitung Wildstaudengärtnerei
www.futureplanter.ch 

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