Naturzyt 2019 3

Natur erleben: Themen zu Naturpärken und Naturregionen

Naturerlebnisplatz Hörnlepass

Von Bergen und Bienen im Kleinwalsertal

Es summt, zirpt, krabbelt und brummt auf den Bergwiesen im Kleinwalsertal. Hier scheint die Welt für Insekten und insbesondere für die Bienen noch in Ordnung zu sein. Ein gutes Zeichen für Naturliebhaber und für jeden, der auch in den Ferien einen Beitrag zu einer nachhaltigeren Lebensweise leisten möchte.

Das Vorarlberger Gebirgstal weiss um seinen grössten Schatz, die ursprüngliche Natur. Damit das sensible Ökosystem in Balance bleibt, arbeiten passionierte Gärtner, visionäre Gastronomen, Landwirte und Imker, engagierte Einheimische und Gäste zusammen. Mit dem Projekt «BEE careful» lassen sie den Schutz der Bienen über das Kleinwalsertal hinaus gedeihen.

Die Walser sind ein naturverbundenes Volk und sie sind stolz auf ihre Wurzeln. Ihre Vorfahren kamen um 1300 aus dem Wallis und besiedelten das Kleinwalsertal vom Tannberg her über den Hochalp- und Gemstelpass. Sie hatten das Durchhaltevermögen und den Willen, um in der teilweise hochalpinen Landschaft Fuss zu fassen. Allen Widrigkeiten zum Trotz entwickelten sie eine Landwirtschaft , die bis heute das Leben im Tal prägt. Kleinstrukturiert und familiär geführt, hat die Landwirtschaft die Artenvielfalt auf den Bergwiesen, die Schönheit wildromantischer Seitentäler und Bäche in bester Trinkwasserqualität bewahrt. Damit das so bleibt, besinnen sich die Walser auf altes Wissen, wenden neue Erkenntnisse an und stellen sich den Fragen der Zukunft . Das Projekt «BEE careful» verschafft dem eindringlichen Summen der Bienen Gehör, schützt ihren Lebensraum und soll ihn weiter ausbauen.

Imker Kurt Müller (Foto Berchtold)

EMSIGE VIELFLIEGER FÜR GOLDENEN GENUSS

Als Kurt Müller vor über 40 Jahren begann, Bienen zu halten, war er noch einer von wenigen. Heute gibt es neun Imkereibetriebe und eine Reihe von Hobby-Imkern. Insgesamt haben rund 500 Bienenvölker im Kleinwalsertal ihre Heimat gefunden. Sie gehören alle der Rasse Carnica an. Sie gilt als anpassungsfähig und kommt mit dem rauen Bergklima zurecht. Im Rahmen des Projekts «BEE careful» lernt man die Carnica-Bienen von Kurt Müller kennen. Man kann ihm über die Schulter schauen und gewinnt dabei faszinierende Einblicke in die Welt der Bienen. Natürlich muss man nicht gleich Imker werden, um die Bienen zu schützen. Es gibt zahlreiche weitere Aktionen wie zum Beispiel das Anlegen eines Blühgartens oder den Bau eines Insektenhotels. Und da jede noch so kleine Fläche zählt, wenn es um den Schutz der Bienen geht, gibt es auch eine Saatgutmischung für den heimischen Garten oder Blumenkasten.

Im Kleinwalsertal haben die Bienen eine kurze Saison, um ihre Flugmeilen zu sammeln. Oft ist es schon Mitte Mai, wenn die Wiesen in voller Blüte stehen und die Bienen mit der Suche nach Nektar, Pollen, Honigtau und anderen Nahrungsquellen beginnen. Mitte August bereiten sie sich schon wieder auf den Winter vor. Auch Achim Schneider, der Mann mit den meisten Bienenvölkern im Kleinwalsertal, schwärmt im Frühling aus. An die 100 Völker verteilt er auf bis zu zehn verschiedene Standorte. Wenn die Alpenrosenblüte die Berge in ein pinkfarbenes Blütenmeer verwandelt, bringt er einige Völker auf 1600 Meter und höher. Dann hofft er, dass das Wetter mitspielt, denn Bienen fliegen erst bei Temperaturen von 12 Grad aus. Für Spezialitäten wie den Alpenrosenhonig muss wirklich alles passen.

Naturerlebnisplatz am Schwarzwasserbach. (Foto Farys)

NICHT NUR FÜR BIENEN EIN PARADIES

Während die Bienen für ein Glas Gebirgsblütenhonig rund 40 000 Mal ausfliegen, können Wanderer es gemütlicher angehen lassen. In drei Höhenlagen zwischen 1000 und 2500 Metern entfaltet sich ein naturnahes Wegenetz mit 185 Kilometern markierten Wanderwegen. Bei lockeren Spaziergängen entlang der Breitach oder in eines der idyllischen Seitentäler kann man sich warmlaufen. Wer mit allen Sinnen in den alpinen Lebensraum eintauchen möchte, der geht am besten mit Daniela Schwendiger auf Tour. Die Wanderführerin ist fest mit «ihrem» Tal verwurzelt. Leidenschaftlich und lebhaft macht sie die kleine Walser Naturwanderung zu einem spannenden Ausflug in die sagenhafte Pflanzen- und Tierwelt. Zum Staunen ist auch die geologische Geschichte des Kleinwalsertals. Eine Bergtour auf den charismatischen Ifen, der einem Tafelberg gleicht, und das angrenzende Gottesackerplateau mit seinen bizarren Felsformationen ist eine Zeitreise zur Entstehung der Alpen. In dem auf den ersten Blick verwittert und zerklüftet wirkenden grauen Karstgebiet sind einige selten gewordene Tierarten zu Hause. Und schaut man genau hin, dann entdeckt man in den Rissen, Spalten und Löchern, wie sich farbenfrohe Alpenblumen auf das einfache Leben in der Höhe eingelassen haben.

Gipfeltour im Kleinwalsertal (Foto Drechsel)

ZURÜCK ZUR NATUR

Jeremias Riezler stand auf einem anderen Gipfel des Tals, als ihm klar wurde, wie er in seinem Restaurant Regionalität in Zukunft leben möchte. Hoch oben auf dem Widderstein, dem höchsten Berg des Kleinwalsertals mit seinen 2536 Metern, fasste er einen Entschluss. Seitdem arbeitet er nur noch mit Produkten, die aus Regionen kommen, die er an einem klaren Tag vom Gipfel des Widdersteins aussehen kann. Ausserdem kommt bei ihm nur auf den Tisch, was die Natur je nach Saison gerade zu bieten hat. Gemeinsam mit einigen Kollegen aus der Gastronomie hat er sich auch dem kulinarischen Erbe seiner Walser Vorfahren verschrieben. Nicht nur alte Rezepte werden zu neuen Geschmackserlebnissen erweckt, auch versuchen sie die ursprünglich in der Region verbreiteten Rassen und Sorten wieder anzusiedeln. Ein Partner für das ambitionierte Vorhaben ist Andi Haller. Er hat sich dem Experiment Selbstversorgung verschrieben und in seinem stetig wachsenden Permakultur- Garten immenses Wissen und vor allem viel Erfahrung gesammelt. Das jüngste Projekt ist der Anbau von Kartoffeln bzw. «Grumpara», wie die Walser sagen. Wie ergiebig die Ernte ausfällt und vor allem wie gut sie schmeckt, davon überzeugt man sich am besten selbst.

Andi Haller in seinem Permakulturgarten (Foto Haller)

Text Kleinwalsertal Tourismus, Fotos Oliver Farys, Frank Drechsel, Dominik Berchtold, Andreas Haller

Naturnahes Kleinwalsertal
Mehr Naturerlebnisse, Informationen und Angebote über das Kleinwalsertal und vieles mehr bei Kleinwalsertal Tourismus eGen, A-Hirschegg/Vorarlberg, Telefon 0043 5517 51140 oder www.kleinwalsertal.com 

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