Naturzyt 2018 09

Natur erleben: Themen zu Naturpärken und Naturregionen

Norwegens Küsten

Norwegens Küsten - Im Land der Trolle

Wohl kaum ein anderes Land Europas hat eine so spannende und abwechslungsreiche Küste vorzuweisen wie Norwegen. Dabei sind auf sage und schreibe 2650 Kilometern Länge nahezu alle Landschaft sarten vertreten, die man sich am Meer vorstellen kann: Klippen, Schären, Sandstrände, Dünen, Gezeitenstrände und Ebenen. 

Die Natur wechselt ihr Aussehen teilweise innerhalb weniger Kilometer. Ihr Charakter reicht dabei von idyllisch bis schroff. Zuweilen wähnt man sich aber auch in die Unterwelt versetzt, wenn Nebelschwaden raue Berge und Felsen umwallen. Entlang der Küste gibt es jedoch nicht nur tolle Landschaft , sondern gleichwohl auch idyllische Orte. Überall trifft man auf kleine, meist rote Holzhäuser, die sich beharrlich gegen den Wind stemmen. Die Reise beginnt in Bergen mit der Hurtigruten, der «schnellen Route», auf welcher seit 1898 Post- und Frachtschiffe unterwegs sind, und führt dann in den Norden bis zu den letzten Aussenposten der Zivilisation – und zurück. 

Lofoten: Blick von der Sildpollnes Kapelle gegen Süden.

Die Königsstadt Trondheim wurde 997 vom Wikingerkönig Olav Tryggvason gegründet und ist nach Olso und Bergen die drittgrösste Stadt des Königreiches. Wir gehen Richtung Nedre Elvehavn, Mollen Berg und Bakk Landet. Diese Altstadtquartiere sind zauberhaft , und wir könnten dort stundenlang fotografieren, in den Cafés verweilen und dem ruhigen Schlendern der Fussgänger zusehen. Die ältesten Speicherhäuser stammen aus dem 18. Jahrhundert. Sie lassen erahnen, wie die Frontseite zum Fluss früher aussah. Waren konnten direkt vom Wasser aus in die Lagerhäuser (Bryggene) gebracht werden. Die Gamle Brybo oder Old Town Bridge führt über den Nidelva, welchem der Dom einen Namen verdankt: «Nidarsdom». Er ist als weltweit nördlichste gotische Kathedrale bekannt. Im Jahr 1300 wurde der Dom in seiner vollen Pracht fertiggestellt als Hommage an König Olav, welcher das Christentum in Norwegen einführte.

WILDROMANTISCH UND MAJESTÄTISCH

Am kommenden Morgen überqueren wir den Polarkreis. Dieser nördliche Breitenkreis, ab welchem die Sonne in den Tagen der Sonnenwende gerade nicht mehr aufbeziehungsweise untergeht.

Nach einem kurzen Besuch an Bord von Neptun, dem Herrscher der sieben Meere, zeichnen sich am Horizont bereits die bis zu 1000 Meter hohen Gebirgsketten der Lofoten ab – welch ein erhabenes Gefühl, diesen imposanten Schneebergen entgegenzufahren. Der Charme der Lofoten spiegelt sich in den malerischen Fischerdörfchen mit wildromantischer Atmosphäre, majestätischen Granitfelsen und weissen Sandstränden wider. Beim Andocken in Bodø nehmen wir an einem Busausflug zum stärksten Gezeitenstrom der Welt teil. Wir haben Glück, der Mond hat die Tiden optimal für uns eingerichtet, und wir sehen, wie das Wasser mit einer Geschwindigkeit von bis zu sagenhaft en 40 km/h durch den Saltstraumen schiesst. Durch einen 2,5 Kilometer langen und etwa 150 Meter breiten Sund strömen im Wechsel der Gezeiten fast 400 Millionen Kubikmeter Wasser zwischen dem Yttre (äusseren) Saltfj ord und dem Skjerstadfjord hin und her.

In der Nacht navigiert das Schiff durch den engen Raft sund. Anschliessend geht es via die grösste norwegische Insel Hinnøya über Finnsnes nach Tromsø. Diese Stadt war das Tor zum arktischen Meer und schon in der Vergangenheit Ausgangspunkt zahlreicher Polarexpeditionen.

Sonnenuntergang am Nordkap – ein ganz aussergewöhnliches Erlebnis.

AM ENDE DER WELT

Das Nordkap, welches bei 71° 10’ 21’’ nördlicher Breite aus dem Ozean ragt, erreichen wir bei einem Ausflug am kommenden Tag. Von Honnigsvåg aus steigen wir in den Bus und fahren 33 Kilometer durch wunderbare schneebedeckte Landschaft . Die letzten 13 Kilometer fahren alle, die zum Nordkap möchten, hinter einem Schneepflug her. Somit wird sichergestellt, dass der einspurige Weg ausreichend befahrbar ist. Auf dem 307 Meter hohen Plateau bekommt man das unbeschreibliche Gefühl, am Ende der Welt zu sein – obwohl der geografische Nordpol immer noch rund 2000 Kilometer entfernt liegt. Das Kap wird mit einem grossen Globus gekennzeichnet. Samen besiedeln diesen Teil Norwegens, um die Tradition der Rentierzucht zu erhalten, welche nur von Lappen gezüchtet werden dürfen. Wir haben bei unserem einstündigen Aufenthalt alle vier Jahreszeiten mit Schnee, Wind, Nebel und Sonne erlebt. Am nächsten Tag kommen wir in Kirkenes an, welches 30° östlicher Länge liegt. Das ist östlicher als zum Beispiel Istanbul oder St. Petersburg.

Ausfahrt aus dem Trollfjord, einem Seitenarm des Raftsunds.

Mit dem Verlassen von Kirkenes Richtung Vardø schlägt das Wetter um. Jetzt sehen wir die Häfen, welche nordwärts nachts angelaufen wurden, auch bei Tag. Die zum Teil mit Nebel behangenen Bergketten und Fjorde ergeben Kulissen, wie sie in der beliebten FantasyStaff el «Games of Thrones» vorkommen. Wir erreichen Hammerfest, wo eisige Winde den Schnee über die Strassen treiben. Das Prädikat der nördlichsten Stadt der Welt macht diese nicht wirtlicher. Um den Handel mit Russland zu optimieren, wurde sie 1789 gegründet. Die Reise durch den Lyngenfjord entlang der gleich namigen Alpen stellt den Mittelpunkt der Fahrt Richtung Tromsø dar.

Auf dem Weg zum Berg Torghatten begegnen wir dem Wasserfall Sieben Schwestern.

NAHE DEN TROLLEN

Heute stehen die zauberhaft en Inselgruppen Vesterålen und Lofoten auf dem Programm. Die Fahrt führt zunächst durch die ausgebaggerte Fahrrinne Risøyrenna, welche einzig für die Hurtigruten angelegt wurde, um die «Binnenfahrt» durch die Inselgruppe zu ermöglichen. Nach einem kurzen Halt in Stokmarknes gleiten wir durch den engen Raft sund, die Wasserstrasse zwischen Vesterålen und Lofoten, und fahren vorsichtig in Richtung des kleinen, zwei Kilometer langen Trollfjords – nach dem unser Schiff getauft wurde. Der Trollfjord ist ein Seitenarm des Raft sunds. Der Name leitet sich von den Trollen, den Zauberwesen der nordischen Mythologie, ab. Die Einmündung des Trollfjords in den Raftsund ist nur 100 Meter breit. Im weiteren Verlauf dehnt sich der Fjord bis auf eine maximale Breite von 800 Metern aus. Die Südseite des Trollfjords wird durch den 1084 Meter hohen Trolltindan begrenzt, an der Nordseite steigen der knapp 1000 Meter hohe Blåfjell und der fast ebenso hohe Litlkorsnestinden fast senkrecht aus dem Wasser. Beeindruckend. Wieder überqueren wir den Polarkreis entlang den Sieben Schwestern und dem Berg Torghatten, welcher ein grosses Loch von 35 Metern und 160 Meter Länge aufweist. Anschliessend passieren wir das Vega-Archipel, welches die UNESCO als Weltkulturerbe erkoren hat. Die bleibenden Erinnerungen, Fotos und Sagen haben uns überzeugt, dass diese Reise ohne Wenn und Aber zu den «schönsten Seereisen der Welt» gehört.

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