Naturzyt 2019 3

Natur erleben: Themen zu Naturpärken und Naturregionen

Schroffe Alpgipfeln in der Juralandschaft Waadtland

Wunderland - Waadtland, auf den Spuren der Natur

Eingebettet in eine intakte Natur bezaubert das Waadtland mit sonnenverwöhnten Rebbergen, imposanten alpinen Gletscherwelten und der wilden Schönheit des Juras mit seinen schier unendlichen Wäldern, Hochebenen und idyllischen Seelandschaften.

NATURZYT nimmt Sie mit auf eine Streiftour durch die Waadtländer Alpen und den Jura.

Waadtländer Jura und Alpen

Die Westschweizer Sonnenstube lockt mit herrlichen Naturlandschaften und atemberaubenden Panoramen. Für Wanderfreunde ist das Waadtland schlicht ein Paradies. Was für ein herrliches Gefühl ist es doch, nach einem steilen Aufstieg auf einen Alpgipfel die grandiose Rundsicht zu geniessen. Wem die alpinen Felswände zu schroff und die Gletscherwelt zu unwirtlich erscheinen, den zieht es wohl eher in den mystisch-schönen Jura mit seinen wildromantischen Tälern und den weiten Wäldern, die an den hohen Norden erinnern.

Les Diablerets – Ein Alpdorf zu Füssen des Gletschers

Idyllisch im Herzen der Waadtländer Alpen, am Fusse eines imposanten Gletschers gelegen, hat sich Les Diablerets seinen urtümlichen Charakter als traditionsreiches Bergdorf bewahrt. Der Ort in den Teufelsbergen, wie das Diablerets-Massiv zu Deutsch heisst, ist ein alpines Naturparadies mit klaren Bergseen und blühenden Alpwiesen, wo man schon mal auf Gämsen, Steinböcke oder Murmeltiere treffen kann. Auf Höhen von 1200 bis 3200 Metern werden Wanderer wie auch Alpinisten und Kletterer immer wieder mit spektakulären Ausblicken für ihre körperliche Anstrengung belohnt. Und wer ganz hoch hinaus will, unternimmt eine Tour auf den gut ausgeschilderten Wanderwegen von Glacier 3000 und geniesst die grossartige Fernsicht vom Gletscher.

Eine unvergessliche Wanderidylle in einer pflanzlichen und geologischen Vielfalt. (Foto: OTV)

Vallée de Joux – eine Geheimnisumwobene Idylle

Gesäumt von Seen und grünen Weiden ist das unberührte Vallée de Joux ein wahres Juwel und Wanderparadies. Der Risoud-Wald bildet die natürliche Grenze zu Frankreich und ist dank seiner grossen Biodiversität und der Vielfalt seiner Fauna einzigartig. Hier gedeihen unzählige schattenspendende Bäume und erfreuen Spaziergänger, die mit etwas Glück Auerhühner, Kragenhühner oder Luchse beobachten können. Dem Wald mit seinem dichten Unterholz und den spärlichen Lichtungen mutet etwas Unheimliches an – nicht umsonst erzählte man sich hier einst Geschichten über Bären, Wölfe, Schmuggler und Räuber. Aber auch die Gegend von Vallorbe ist sagenumwoben. Eine Karstquelle der Orbe hat hier Tropfsteinhöhlen entstehen lassen, die zu den schönsten Europas gehören.

Über Stock und Stein – und Eis

Wer den Erlebnispfad «Eis und Wasser» unter die Füsse nimmt, begibt sich quasi auf eine Reise zum Ursprung des Lebens. Vom Glacier 3000 aus führt der Weg über Schneefelder vorbei am Tsanfleurongletscher, einem der kleinsten Gletscher der Schweiz. Dessen Schmelzwasser trägt zur Entstehung idyllischer Natur bei. Weiter geht’s vorbei an Seen und Gebirgsbächen bis zum Sanetschpass. Bei der Quelle der Saane sprudelt Wasser aus dem Boden, das dereinst in der Nordsee sein Zuhause findet.

Alpenpfanzen aus der ganzen Welt

Seit über 100 Jahren verschreiben sich die Waadtländer Alpengärten bereits dem Schutz von Bergpflanzen aus der ganzen Welt. Der botanische Alpengarten in Pont de Nant liegt im Naturschutzgebiet «La Thomasia» und beherbergt an die 3000 Pflanzenarten. Dazu zählen nebst heimischen Gewächsen auch Blumen aus dem Himalaya, den Rocky Mountains, aus Neuseeland und der Arktis. 800 Meter höher werden auf einem Bergmassiv im Alpengarten «La Rambertia» gegen 1000 Arten alpiner Pflanzen kultiviert.

Das Naturreservat «Grande Cariçaie» ist das grösste Seeuferfeuchtgebiet der Schweiz. (Foto: Benoît Renevey)

Begegnung mit Steinbock und Adler

Was in den Alpengärten die Pflanzen, sind im Naturschutzgebiet «La Pierreuse» die Begegnungen geduldiger Besucher mit Steinböcken, Gämsen, Murmeltieren, Luchsen und Königsadlern. Zusammen mit der pflanzlichen und geologischen Vielfalt machen die seltenen Tiere die Faszination des Naturparks «Gruyère Pays-d’Enhaut» aus. Die typische Voralpenlandschaft ist eine unvergleichliche Wanderidylle. Für Feinschmecker wartet in den Alphütten zudem ein Leckerbissen: Von den Weiden von «La Pierreuse» stammt der AOC-Käse L’Etivaz.
Wissenschaft und Erlebnis zugleich

Auch im Jura kommt dem Schutz der Flora besondere Bedeutung zu. Auf den 200 Hektaren des Arboretums von Aubonne werden nicht weniger als 4000 Bäume und Sträucher aus allen Kontinenten kultiviert. Im Obstgarten werden zudem alte, heute aufgegebene Obstsorten bewahrt. Die Pflanzen im Arboretum sind Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchungen, bilden aber auch eine Erlebniswelt für die Besucher. Kinder beispielsweise freuen sich, mit Fred dem Biber auf einer Rallye den Wald zu erkunden.

Alte Bäume und flinke Fische

Der 1,2 Kilometer lange Lehrpfad «Bois des Ages» führt durch eine wunderbare Waldlandschaft von Prangnis zum Genfersee hinab. Zahlreiche Informationstafeln weihen die Passanten in die Geheimnisse des Waldes ein. Über rund 7 Kilometer führt der «Forellenpfad» entlang der Boiron von Morges nach St-Prex. Auf diesem Lernspaziergang stehen nicht Bäume, sondern Fische im Fokus. Jungen und junggebliebenen Entdeckern bietet sich die Gelegenheit, die tierischen Bewohner und das Ökosystem des feuchten Seeufergebiets kennenzulernen.

Artenreiche Uferlandschaft

Das Naturreservat «Grande Cariçaie» ist das grösste zusammenhängende Seeuferfeuchtgebiet der Schweiz und beherbergt etwa einen Viertel der Flora und Fauna des Landes. Dieses Schutzgebiet der Rast- und Brutplätze von Zugvögeln ist im Rahmen der Juragewässerkorrektion entstanden und geniesst Anerkennung weit über die Grenzen hinaus. Die Landschaft präsentiert sich dem Spaziergänger wie ein langer Schal aus Sumpfgebieten, gesäumt von Uferwäldern und herrlichen Auen.

 

Sagen und Mythen im Waadtland

Rund 730 000 Menschen bewohnen das Waadtland – und eine Hand voll Feen. In den Alpen wacht eine Fee über ihre Juwelen, die sie vor langer Zeit noch in Gestalt einer edlen Dame im Lac de Chavonnes vor Plünderern versteckte. Im Jura verstecken die Feen in den Grotten von Vallorbe etwas ganz anderes: ihre Füsse. Zwei Sagen aus dem Waadtland.

In den Alpen wacht eine Fee über ihre Juwelen, die sie vor langer Zeit noch in Gestalt einer edlen Dame im Lac de Chavonnes vor Plünderern versteckte. Im Jura verstecken die Feen in den Grotten von Vallorbe etwas ganz anderes: ihre Füsse. Zwei Sagen aus dem Waadtland.

Sind im Chavonnes-See Juwelen versteckt (Foto: Villars Tourisme)

Als im 17. Jahrhundert eine Invasion von Wallisern drohte, gingen die Alphirten von Les Diablerets zur edlen Dame Isabeau und warnten sie vor den Plünderern. Isabeau nahm ihren Schmuck und flüchtete in den Wald. Ihre Juwelen versteckte sie auf dem Grund des Chavonnes-Sees. Weil die Dame so schön war, machten die Waldgeister sie zu einer Fee. Heute noch wacht die unsterbliche Isabeau über ihren Schatz im sogenannten Smaragdsee. Das von ihr zum Leben erweckte Seemonster beisst alle, die den Schmuck zu stehlen versuchen. Wer bei Vollmond geduldig hinschaut, kann am Ufer des Sees Isabeau entdecken, wie sie ihre funkelnden Juwelen bewacht.

Die Grotten von Vallorbe sollen von Feen bewohnt sein. (Foto: Claude Jaccard)

Das Geheimnis der Feenfüsse

Als der kühne und angeberische Eisenarbeiter Donat hörte, dass die Grotten von Vallorbe von Feen bewohnt seien, machte er sich zu den Höhlen auf. Müde dort angekommen, legte er sich hin und schlief ein. Als er erwachte, erblickte er eine Fee. «Du gefällst mir», sprach sie. «Willst du bei mir bleiben?» Der junge Mann würde jeden Tag ein Goldstück und eine Perle bekommen, unter der Bedingung, dass er die Fee niemals in ihren Gemächern aufsuche. Bald jedoch war Donats Neugier so gross, dass er in den Raum schlich, wo die Fee ruhte. Unter deren Kleid bemerkte er ihre hässlichen Krähenfüsse. Wütend vertrieb die Fee den ungebetenen Gast und legte ihm nahe, nichts zu verraten. Donat aber erzählte in der Schmiede von seiner Entdeckung – und erntete nur Spott. Als Beweis zog er die Goldstücke und Perlen aus seiner Tasche. Zum Vorschein kamen verwelkte Herbstblätter und Wacholderbeeren. Gedemütigt ging Donat fort und ward nie mehr gesehen.

 

Genuss im Waadtland

Eine Frau sitzt auf der mit Reben eingefassten lauschigen Terrasse eines kleinen Restaurants an der Waadtländer Riviera. Ihr Blick schweift über den Genfersee und zu ihrem Begleiter. Dann widmet sie sich der Geschmackssymphonie auf ihrem Teller. Ihre leicht geschlossenen Augen verraten, dass sie es geniesst. Kein Wunder, denn ihre Waadtländer Heimat hat einen ausgezeichneten Ruf als Feinschmeckerkanton. Dank der unvergleichlichen Dichte an Wirtshäusern mit Auszeichnung. Und dank Spezialitäten, wie den berühmten Saucissons oder dem Vacherin Mont-d‘Or. Dass die Frau sachte mit ihren Füssen im Takt wippt, ist ein weiteres Zeichen ihrer Freude, der Gaumenfreude. Aussergewöhnlich ist ihre Leichtfüssigkeit indes nicht. Als Waadtländerin hat sie den Rhythmus quasi im Blut. Das ganze Jahr hindurch ist ihr Zuhause Austragungsort unzähliger Musikfeste. Mit Weltruf. Das Montreux Jazz Festival, das Paléo Festival in Nyon, die Opern in Avenches und noch viele mehr.

Im Wein liegt das Erbe

Mit einem Glas Weisswein stösst die Frau mit ihrem Gegenüber auf die Zweisamkeit an der Mittagssonne des Genfersees an. Beim Geniessen eines fruchtigen Schlucks schweift ihr Blick in die Ferne. Am Horizont reifen die Trauben auf den Terrassen des Lavaux zu Spitzenweinen. Dieses UNESCO-Welterbe ist nur eines von sechs AOC-Gebieten, die das Waadtland zum zweitgrössten – und vielfältigsten – Weinproduzenten der Schweiz machen. Die Zeit vergeht. Der letzte Bissen der Tarte à la raisinée, einer weiteren Waadtländer Delikatesse, ist verzehrt. Die Frau blickt auf ihre Uhr. Zeit zu gehen? Nein. Sie wirkt nicht gestresst, vielmehr stolz. Stolz auf den schmucken Zeitmesser um ihr Handgelenk, der in der Wiege der Schweizer Uhrmacherkunst, im Waadtländer Jura gefertigt wurde. Zum krönenden Abschluss gönnt sich die Frau einen Kaffee, ihr Vis-à-Vis einen Bitter des Diablerets. Beide geniessen abermals das unvergleichliche Panorama.

 

Wussten Sie, 

... dass die 2007 zum UNESCO-Welterbe gekürten Weinberg-Terrassen des Lavaux bereits im 12. Jahrhundert von Mönchen kultiviert wurden?

... dass im Waadtland mit der 3000 Hektar umfassenden Grande Cariçaie das grösste Schweizer Seeuferfeuchtgebiet beheimatet ist?

... dass der gefrorene Lac de Joux im Winter jeweils zu einer der grössten Natureisbahnen von ganz Europa zählt?

... dass der Waadtländer Jura mit rund 440 Loipen-Kilometern zu einem der ausgedehntesten Langlaufgebiete Mitteleuropas gehört?

... dass das Waadtland mit 96 Restaurants mehr im Restaurantführer «GaultMillau» vertreten ist als sämtliche anderen Kantone?

... dass sich mit dem «Maison d’Ailleurs» Europas einziges Science-Fiction-Museum in Yverdon-les- Bains befindet?

... dass am Tulpenfest in Morges, welches jeden Frühling im Parc de l’indépendence stattfindet, nicht weniger als 100 000 Tulpen blühen?

... dass das Waadtland unter anderem schon folgende Berühmtheiten beherbergte: Kaiserin Sisi, Charlie Chaplin, Audrey Hepburn und natürlich Freddie Mercury?

Mehr Informationen über das Waadtland unter www.genferseegebiet.ch

 

Rezepte - Spezialitäten aus dem Waadtland

Malakoff

von Jean-Claude Daglia, Café Restaurant l’Union Bursins

Zutaten (4 Personen)
400 g Jurakäse oder halbrezenter Greyerzer, 200 g Mehl, 3 dl La Côte Weisswein, 1,5 dl Milch, 3 Eier, 1 EL Öl, Salz

Zubereitung
Käse in daumengrosse Stäbchen schneiden und danach mehrere Stunden im Weisswein marinieren lassen. Mehl, Eier und Milch zu einer glatten Masse vermischen. Eine Prise Salz und etwas Öl beigeben. Käse aus dem Wein entfernen, mit Mehl bestreuen und dann ausgiebig im Teig rollen und zu Kugeln formen. Bei 180 °C im Öl frittieren, bis die Krapfen knusprig braun sind. Malakoffs auf Haushaltpapier abtropfen lassen. Warm mit einem schmackhaften grünen Salat servieren.

Papet Vaudois (4-6 Personen)


Rezept von www.charcuterie-vaudoise.ch

Zutaten
Je nach Grösse 2 – 4 Saucisses aux choux, 1 kg Lauch, 600 g Kartoffeln, 2 kleine Zwiebeln, 1 EL Kochbutter / Fett, 2 dl Weisswein, 1 dl Bouillon, 2 dl Milch, Salz, Pfeffer, Muskat

Zubereitung
Lauch waschen und in Stücke von 4 cm schneiden. Zwiebeln hacken, in einer Bratpfanne in Butter dünsten und Lauch beifügen. Mit Salz und Pfeffer würzen, mit Wein und Bouillon ablöschen, zugedeckt während 10 Minuten kochen. Kartoffeln und Würste beifügen und langsam während 15 bis 20 Minuten ziehen lassen. In dieser Zeit in einer kleinen Pfanne restliche Butter und Mehl dünsten, mit Milch und 3 dl Flüssigkeit aus der Pfanne ablöschen. Mit Salz, Pfeffer und Muskat würzen. 10 Minuten kochen lassen und dem Gericht beigeben. Gemüse auf vorgewärmter Servierplatte anrichten. Würste anstechen, um das Fett auslaufen zu lassen, danach ringförmig auf Platte anordnen.

Vacherin Mont-d’or AOC im Backofen


Rezept von www.genferseegebiet.ch

Zutaten
1 Vacherin Mont-d’Or AOC, 1–2 Knoblauchzehen, 1 dl trockener Weisswein, Pfeffer

Zubereitung
Den Käse mit Alufolie umwickeln. Danach wie einen Kuchenteig mit der Gabel einstechen und nach Belieben 1 bis 2 Knoblauchzehen in den Laib stecken. Mit trockenem Weisswein übergiessen. Im vorgeheizten Ofen bei 200 C° während 25 Minuten backen. Etwas Pfeffer aus der Mühle darübergeben und löffelweise über geschwellte Kartoffeln servieren. Der Vacherin Mont-d’Or aus dem Ofen kann natürlich auch wie ein Fondue mit Brot genossen werden.

Fotos Waadtland Tourismus

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