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Naturzyt 2019 3

Natur erleben: Themen zu Naturpärken und Naturregionen

Wolf und Braunbär im Natur- und Tierpark Goldau

Wenn das Murmeltier schläft ist viel los im Tierpark Goldau

Still und verträumt liegt der Natur- und Tierpark Goldau unter einer Schneedecke. Wer jedoch glaubt, dass in der kalten Jahreszeit alle Tiere Winterschlaf halten, irrt gewaltig. Im Winter ist der Park ein Eldorado für Tierbeobachter. Auf dem 34 Hektar grossen Gebiet leben über hundert mehrheitlich in Europa beheimatete Wildtierarten.

Wer im Winter wach bleibt, muss geeignete Überlebensstrategien haben. Den Säugetieren wächst im Herbst ein Winterfell aus längeren Deckhaaren und dichterer Unterwolle, das vor Wärmeverlust schützt. Vögel hingegen sind durch ihr dichtes und gut gefettetes Gefieder bestens geschützt. Ihre unbefiederten Beine werden einfach weniger stark durchblutet. Fische leben im Winter auf Sparflamme. Wird das Wasser kühler, sinkt auch ihre Körpertemperatur und sie ziehen sich ins tiefere Wasser zurück, wo konstant vier Grad Celsius herrschen. Durch das grosse Fenster der Tauchstation kann dies im Natur- und Tierpark Goldau sehr gut beobachtet werden.
Murmeltiere verschlafen die kalten Monate. Ihr Lebensraum, die Bergregion, bietet nur wenige Monate Futter. Die Tiere nutzen die kurze Zeit intensiv zur Nahrungsaufnahme. Kurz vor dem Winterschlaf haben erwachsene Tiere rund ein Kilogramm Fettreserven angefressen. Die Murmeltiere im Natur- und Tierpark Goldau werden jeden Herbst eingefangen und verbringen die kalte Jahreszeit in einem Winterquartier ausserhalb des Parks.

Der Mufflon-Widder trägt einen Kopfschmuck. Die Hörner wachsen ein ganzes Leben lang.

Da – eine Spur! Von welchem Tier sie wohl stammt? Der Hufabdruck zeigt, sie ist von einem Mufflon. Schon schaut ein Widder interessiert um die Ecke. Weiter oben steht eine Gruppe Sikahirsche und wartet auf Streicheleinheiten. Die grosse Freilaufzone ermöglicht hautnahen Kontakt zu den Tieren. Sie dürfen nicht nur gestreichelt, sondern auch mit speziellen Würfeln gefüttert werden. Mit geübtem Auge erkennen die Tiere, wer Leckerbissen mit sich führt, und sind schnell zur Stelle. Mufflons lieben gebirgige Landschaften, und die Sikahirsche schätzen die vielen Bäume, die das Tierparkgelände prägen.

Steingeiss mit Jungtier. Sind Gras und Kräuter vom Schnee bedeckt, fressen Steinböcke auch Stauden, Flechten und Moose.

Gefiederte Brautschau auf dem Wasser

Auf dem Blauweiher, einem der beiden Naturweiher, herrscht reges Treiben – es ist Balzzeit und die Männchen gehen auf Brautschau. Am Weiher kann jetzt mitverfolgt werden, wie mit Geklapper, eindringlichem Trompeten oder akrobatischen Balztänzen um Beachtung gebuhlt wird. Die Männchen der Stockenten gehen aufs Ganze. Im Schilf gut getarnt entledigten sie sich im Sommer ihrer Federn. Während rund vier Wochen waren sie flugunfähig. Jetzt zeigen sie sich im nagelneuen farbigen Winterkleid, denn nur so lässt sich die Gunst der Angebeteten gewinnen.

Für die Balz hat sich der Stockenten-Erpel ein farbiges Federkleid zugelegt.

Im Reich von Meister Petz und Isegrim

Mit federndem, elegantem Schritt kontrolliert der Wolf sein Revier. Er ist der Leitrüde und lebt mit seinem Rudel Seite an Seite mit den Syrischen Braunbären in der Gemeinschaftsanlage für Bär und Wolf. Die 4 Hektar grosse Anlage wurde 2009 eröffnet. Sie ist in dieser Grösse einzigartig in Europa. Das zerklüftete Gebiet mit Bäumen und Felsen bietet den Tieren genügend Rückzugsmöglichkeiten. 

Im Natur- und Tierpark Goldau sind im Winter nur die älteren Bären träge. Sie beschränken ihre Aktivitäten und fressen nur wenig. Die jüngeren Tiere spielen im Schnee und gehen gerne auf Futtersuche. Um an ihre Nahrung zu gelangen, müssen sie sich jedoch anstrengen und bewegen. In der Anlage verteilt stehen fünf Boxen, die Futter enthalten. Für jeden Bären steuert ein Computer die Futterfreigabe an den einzelnen Boxen zu verschiedenen Zeitfenstern. Trifft der Bär den richtigen Zeitpunkt an einer Box, gibt sie ihm ein Handvoll Futter frei. Wie in der Natur gibt es nicht jeden Tag gleich viel zu fressen. Auch der Wolf muss sich sein Futter suchen. Beide Tierarten sind bei ihren Streifzügen sehr gut zu sehen. Ein besonderes Erlebnis ist die kommentierte Fütterung an Sonntagen, an denen die Zuschauer viel Wissenswertes über das gemeinsame Leben der Tiere in der Anlage erfahren.

Grosse Artenvielfalt

Luchse, Wildkatzen, Steinböcke, Gämsen, Zwerggeissen – das sind nur einige der Tiere, die auch im Winter im Natur- und Tierpark Goldau sehr aktiv sind. Ihre Spuren sind im Schnee gut auszumachen. Dreimal grösser als die einer Hauskatze sind die Pfotenspuren des Luchses. Das garantiert, dass er im Tiefschnee nicht einsinkt. Im Winter trägt der Luchs einen mähnenähnlichen Backenbart. Das Winterfell ist eher grau, dichter und die Flecken sind weniger ausgeprägt. In der Schweiz leben zwei Luchspopulationen, die eine im Jura und die andere in den Alpen. Die Tiere sind nachtaktive Einzelgänger. Deshalb bekommt man Luchse kaum je zu Gesicht. Im Februar und März ist Paarungszeit. Das Paarungsritual kann im Tierpark hautnah mitverfolgt werden.

Ein Luchs im Winterpelz mit mähnenähnlichem Backenbart.

Wildkatzen sind das ganze Jahr über aktiv. Schnee kann für sie allerdings zu einem Problem werden. Im Gegensatz zum Luchs sinken sie schnell ein. In der Natur wird die Futtersuche schwierig. Ihre Hauptbeute, die Mäuse, sind unter der Schneedecke nur schwer ausfindig zu machen. Deshalb leben Wildkatzen nicht in schneereichen Gebieten. Im Natur- und Tierpark Goldau wird das Futter zwar versteckt, mit etwas Geschick kommen die Tiere jedoch gut an ihre Nahrung. Wie machen das eigentlich die Steinböcke? Selbst noch so steiles Gelände kann den Kletterkünstlern nichts anhaben. Ihre Klauen sind an den gebirgigen Lebensraum angepasst. Verhornte Aussenränder sorgen für Trittfestigkeit und die weichen Ballen verhindern das Abrutschen. Von Ende November bis im Januar ist Brunftzeit. Als Zeichen von Macht und Potenz setzen die Böcke ihre imposanten Hörner ein. Es sind aber schlussendlich die Geissen, die entscheiden, mit wem sie sich paaren.

Im Winter liegt eine mystische Stimmung auf dem Blauweiher.

Wissenswertes über den Tier- und Naturpark Goldau

Alles begann mit einer Katastrophe

Vor über 200 Jahren stürzte ein gewaltiges Felsmassiv vom Rossberg ins Tal und löschte Goldau fast vollständig aus. Über 100 Jahre später entstand an dieser Stelle der Natur- und Tierpark Goldau. Die grosszügigen Tieranlagen liegen zwischen grossen Felsblöcken und geben dem Innerschweizer Park einen unvergleichlichen Charme. Auf einem relativ kleinen Gebiet herrscht heute eine beachtenswerte Vielfalt an Pflanzen und Tieren, und auch sehr seltene Arten finden hier einen Lebensraum. Als wissenschaftlich geführter Zoo und Mitglied der WAZA (World Association of Zoos and Aquariums) hat sich der Natur- und Tierpark Goldau verpflichtet, seine Tiere bestmöglich zu halten, neues Wissen zu schaffen, dieses der Öffentlichkeit zugänglich zu machen und aktive Erlebnisse mit Tieren zu ermöglichen.

Dieses Hausschein spielt vergnüglich im Schnee.

Edukation, Führungen und Veranstaltungen

Der Park bietet stufengerechte Führungen und Workshops für Schulklassen und führt Weiterbildungen für Lehrpersonen durch. Gruppenführungen: Auf Themenführungen erfahren Teilnehmende unter kundiger Leitung viel Wissenswertes über die Tiere. Die Exkursionen werden individuell an die Interessen der Gruppe angepasst. Kosten ab 10 Teilnehmenden je nach Thema CHF 100.– bis CHF 150.–. Das ganze Jahr finden im Natur- und Tierpark Goldau spannende Veranstaltungen statt. 

Mehr Informationen zum Park unter www.tierpark.ch 

Der Natur- und Tierpark Goldau im Winterkleid.

Fotos Condi Scherrer,

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