Naturzyt 2018 09

Blick vom Pfannenstiel auf den Greifensee

Wie die Sprache unseren Sinn für Landschaft prägt

Chrache, Tobel, Hoger und Hubel – was können wir anhand solcher Mundartwörter über unsere Wahrnehmung der Landschaft lernen? Die Geographin Flurina Wartmann geht an der Universität Zürich der Frage nach, wie wir Landschaften wahrnehmen und welche Gefühle wir mit ihnen verbinden.

In ihrem Projekt entwickelt sie Methoden, um Landschaft nicht nur als Summe ihrer Bestandteile wie Böden, Gewässer, Flora und Fauna abzubilden, sondern als eine mit allen Sinnen wahrgenommene, kulturelle Landschaft , die beispielsweise inspiriert, entspannt und für viele Menschen Heimat bedeutet.
Dazu befragte sie an insgesamt 10 Standorten in verschiedenen Berg-, Hügel-, Seen-, Fluss- und Moorlandschaften der Schweiz 300 Personen. Zusätzlich zu diesen persönlichen Befragungen gibt es das Angebot, dass jede und jeder über eine Internetplattform mitmachen kann. Auf www.meinelandschaft.ch können Sie Beschreibungen von Landschaft en verfassen, Fotos von Landschaft en hochladen und Mundartbegriffe einschicken. Über die Zeit soll so ein Abbild der Schweizer Landschaft en aus Sicht der Bevölkerung entstehen.

Iguschlùùf. Ein enger Ein- oder Durchgang, durch den Tiere schlüpfen, «e Schlùùf» (mit einem langen offenen, d. h. gegen o tendierenden u), eine Ableitung von «schlüüffe». Ein Durchgang für einen Igel ist also ein «Iguuschlùùf». (Eintrag: Christian)

Die bisher über die Plattform eingereichten Beiträge bestehen aus zahlreichen Mundartwörtern, teilweise sehr reichhaltigen Beschreibungen von Landschaft en sowie Fotos und Zeichnungen. Die Beiträge lassen die (sprachliche) Vielfalt erahnen, mit denen wir in der Schweiz über Landschaft en sprechen. Doch wie viele von diesen Mundartwörtern werden noch aktiv gebraucht und welche geraten allenfalls bald in Vergessenheit? Wenn aber Wörter für gewisse Aspekte in Natur und Landschaft fehlen, kann man sie allenfalls gar nicht mehr wahrnehmen – und es stört dann auch niemanden, wenn sie eines Tages fehlen. Ein Teil des Projektes hat deshalb zum Ziel, die Vielfalt an Landschaftswörtern zu dokumentieren. Und wer weiss, wenn wir solche Worte wieder häufiger verwenden, vielleicht werden wir uns dieser Phänomene in der Landschaft wieder bewusster. Kennen Sie zum Beispiel das Wort «Iguuschlùùf» (der kleine Durchgang in einer Hecke, durch den Tiere schlüpfen)? Wenn Sie dieses Wort nun kennen, vielleicht entdecken Sie ja solche Durchgänge in Zukunft häufiger oder werden sich überhaupt erst bewusst, wie viele sich in unseren Hecken und Wegrändern verbergen? Weitere Mundartwörter finden sich auf der Internetsite www.meinelandschaft.ch.

HIER EINE KLEINE AUSWAHL:

Sank. Eingesunkene Stelle in einer Naturwiese, ähnlich: e Tüele. Entstanden über lange Zeit, wenn sich die Erde über einem entfernten Baumstrunk, einer Drainage o.Ä. gesenkt hat. (Eintrag von Grosvatter) Schöchli. Auch Birlig genannt. Kleiner, sorgfältig aufgeschichteter Haufen Heugras. Früher prägten exakte Reihen davon die Wiesen einer Landschaft. Es gab auch Heinzen und Rollenreuter, um Heugras und Luzerne zu trocknen. (Eintrag von En Puur) Chrache: wildes, abgelegenes Tal. (Eintrag von Brätzeli und Höbi) Tobel: ein enges, kleines Tal. (Eintrag von Chrom) Haben Sie Lust, einen kleinen Beitrag zu einer ihrer Lieblingslandschaften zu verfassen, ein Landschaftsfoto von Ihrem letzten Ausflug hochzuladen oder allenfalls ein Mundartwort einzuschicken?
Alle Einträge sind auf www.meinelandschaft.ch sehr willkommen!

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