Naturzyt 2019 3

Natur erleben: Themen über Kraftorte, Natur wahrnehmen

Etang de la Gruere

Den Schweizer Kraftorten auf der Spur

Ein kleiner Moorsee im Schweizer Jura, der Turm einer Kirche auf dem Staufberg, eine altarähnliche flache Steinformation auf der Fünf-Seen-Wanderung und die Jakobsquelle auf dem Kronberg haben eines gemeinsam: Es sind Schweizer Kraftorte.

Die heutige Reise geht zu vier Kraft orten, die beispielhaft für die Vielfalt des Phänomens sind.

Etang de la Gruère

Der erste Kraftort, den ich Ihnen vorstellen möchte, ist dieser wunderschöne Ort, zwischen les Reussilles und Saignelégier im Hochplateau der Freiberge im Schweizer Jura gelegen. Einst wurde hier noch campiert und herumgepaddelt, heute steht das Gebiet unter Naturschutz und ist ein beliebtes Ausflugsziel. Selber bevorzuge ich den Besuch in den Randstunden und ganz besonders in der Abenddämmerung. Weht ein kühler Luft zug über das noch warme Wasser, wird sich mit etwas Glück allerlei kleines Volk als feine Nebelschwaden auf dem dunklen Wasser tanzend zeigen. Die Umrundung des Moorseeleins dauert an die ¾ Stunden.

Etang de la Gruère im abendlichen Sonnenlicht (Bild ganz oben mit tanzendem kleinen Volk auf dem Wasser).

Lassen Sie sich vom Zauber des Ortes einnehmen. Es kann gut sein, dass Sie jegliches Zeitgefühl verlieren, sich die ersten Sterne am Himmel zeigen und im Wasser blinken. Rund um dieses Kleinod finden sich immer wieder Plätze zum Innehalten, die liebliche Szenerie auf sich einwirken zu lassen und in einen meditativen Zustand zu fallen. Der eigentliche Kraftplatz ist für das Auge, nach all der Schönheit des Gewässers, eher unscheinbar. Er befindet sich zwischen den Bäumen im Areal am östlichen Ende des Dammes, noch vor dem aufgerichteten Wurzelstock einer längst gefallenen Tanne. Gehen Sie langsam umher und folgen Sie Ihrer Intuition. Hier kann es schon mal vorkommen, dass in den Beinen feine Vibrationen spürbar sind. Erreichbarkeit: in wenigen Minuten ab dem Parkplatz bei der Sägerei oder beim Restaurant «La Th eurre», und natürlich über das Wanderwegnetz.

Der Staufberg

Als am Ende der Eiszeit die ersten Menschen durchs eisfrei gewordene Land zogen, errichteten sie ihre Lager an exponierten Stellen. In den von Bächen, Flüssen und Sumpfgebieten grossflächig durchzogenen Niederungen boten die darüber hinausragenden Hügel Schutz vor dem Wasser und auch vor allerlei lästigen Blutsaugern. Wir dürfen davon ausgehen, dass diese Menschen weitgehend in Einheit mit der Natur lebten mit Vorstellungen ähnlich jenen, die uns von den indigenen Völkern in Australien und Amerika überliefert sind. Auch bei diesen sind sich in der Weite der Landschaft abzeichnende Erhebungen heilige Orte. Orte, wo es sich besser mit der Anderswelt und den Ahnen in Verbindung treten liess, wurden zu Kultplätzen. Einige davon sind auch in der neuen Religion, dem Christentum, als Kultplätze erhalten geblieben. So auch der Staufberg bei Lenzburg. Er setzt den Kontrapunkt zur martialen Lenzburg auf dem östlich gelegenen Schlosshügel. Der kräftigste Platz am Ort befindet sich im Turm der Kirche. Hier war einst die Marienkapelle. Gemäss dem Kulturanthropologen Kurt Derungs soll auf dem Staufberg einst die grosse Muttergöttin verehrt worden sein. Sind die gemuteten hohen Werte mögliche Folge eines Mutterkultes, oder ist der alte Kult Folge einer starken natürlichen Kraft des Ortes, wer weiss? So oder so ein lohnenswerter Besuch, der sich gut mit weiteren Kraftplätzen wie dem Besuch der Kirche von Königsfelden bei Brugg kombinieren lässt.

Der Staufenberg mit Kirche bei Lenzburg.

Im Herzen der Alpen

Das Gebiet des San Gottardo darf zu Recht als das Herz der Alpen bezeichnet werden. Wie in den Herzen der Menschen auch, hinterlässt die Art und Weise, wie mit dem Wesen der Natur umgegangen wird, auch in diesem Herz seine Spuren. Dennoch finden sich gerade hier sehr starke Kraftplätze. Der eine liegt entlang der überaus lohnenden Fünf-Seen-Wandertour. Erst gilt es zum Lucendro-Stausee aufzusteigen, dann seiner Uferstrasse zu folgen. Auf halber Seelänge zweigt der Weg ab und führt hinauf zu den Laghi della Valetta. Nach etwa 2∕3 des Weges wird eine kleine Hochebene mit einem verlandenden See erreicht (Punkt 2408). Der Ort strahlt eine ganz eigene Faszination aus, ein schöner Platz, um eine Rast einzulegen und sich vom Aufstieg zu erholen. Auf der anderen Seite des Bächleins fällt  eine altarähnliche flache Steinformation auf. Gehen Sie zu ihr hin und stellen Sie sich auf diese. Lassen Sie die wilde Schönheit der Szenerie auf sich einwirken. Vielleicht werden Sie nach und nach ein Kribbeln in den Beinen spüren, einen leichten Druck im Magen bis hin zu aufsteigender Freude und Glücksgefühl. Das alles weist auf die hier zusammenwirkenden Kräfte hin, ein Platz zwischen Himmel und Erde. Von Geländeerhebungen umgeben und vom Wasser belebt, zeigt er auch energetische Kultplatzqualität an. Ob er das jemals war, wer weiss? Hier wird der Stoff überlieferter Sagen zur spürbaren Wirklichkeit. Doch ist der Weg noch lange nicht zu Ende. Folgen Sie diesem weiter, hin zu den schönen Seen und geniessen Sie die weiteren Höhepunkte dieser einzigartigen Wanderung im Herzen der Alpen.

Die altarähnliche flache Steinformation auf der Fünf-Seen-Wanderung (Bildmitte).

Der Kronberg

Der weite Blick über die hügelige Landschaft und weiter zum Bodensee auf der einen, die unmittelbare Nähe zum Säntis auf der anderen Seite erzeugt ein einzigartiges Spannungsfeld und gibt einem ein Gefühl von Erhabenheit. Eine Luftseilbahn bringt Sie in wenigen Minuten ganz ohne Anstrengung zum Gipfel. In seinem Nordhang findet sich ein ganz besonderer Platz, die Jakobsquelle. An einem Zweig des Jakobswegs gelegen, fehlen auch nicht die dazu passenden Legenden. Die eine besagt, dass der heilige Jakobus mit Römern auf dem Berg war und mit seinem Stab der Quelle Heilkraft verlieh. Darauf hätte er seinen Stab bis nach Santiago de Compostela geschleudert. Die andere besagt, dass er in Spanien so heftig gepredigt hätte, dass sein Stab weit weg geflogen und just im Kronberg steckengeblieben sei. Darauf sei die bis heute als heilkräftig geltende Quelle dem Fels entsprungen. Wie auch immer, der Rundweg ist etwas ganz Spezielles. Vom Gipfel führt ein schmaler Weg bergab in den dunklen und fast unheimlich anmutenden Wald, wendet sich dann jedoch der lichtvollen Jakobsalp zu. Den Nagelfluhwänden folgend, wird dann die Quelle erreicht. Weiter geht’s zur neuen Jakobskapelle und wieder hinauf zum Gipfel. Die ganze Bandbreite an naturenergetischem Empfinden lässt sich hier erleben: aufbauende und abbauende Kräfte, leichtfüssiges Gehen und bleischwere Glieder, Erhabenheit und Bedrücktheit. Die Ähnlichkeit zum Lebensweg ist verblüffend: Die Empfängnis aus dem Licht, die zunehmende Dunkelheit und Enge im Leib der Mutter, die Geburt und das Licht der Welt, die bewegte Jugend und die Initiation ins Erwachsenenalter bei der Jakobsquelle. Aber auch die Reife und den eigenen Weg finden von der Jakobskapelle hinauf zum Gipfel, dorthin wo alles begann. Dort ist dann auch der eigentliche Kraftpunkt. Stehen Sie auf den Vermessungsstein; zwar als Markierung des Gipfels gesetzt, markiert er zugleich den kräftigsten Punkt des Berges. Zurück auf dem Gipfel, wird auch der Säntis jetzt erst in seiner ganzen Pracht und Kraft wahrgenommen werden.

Die Jakobsquelle am Kronberg: Hier soll der heilige Jakobus mit seinem Stab der Quelle Heilkraft verliehen haben.

Ich wünsche Ihnen schöne Begegnungen mit kraftvollen Orten.

Herzlich,
Philippe Elsener, Naturenergetiker

MEHR ZU PHILIPPE ELSENER

Philippe Elsener ist Naturenergetiker und Buchautor und wohnt in Thal (SG). Er beobachtet seit Jahren die Beziehung zwischen Mensch und Ort, Ort im Sinne von Wohn-, Arbeits- und Lebensraum. Sein besonderes Augenmerk gilt der Signatur der Dinge, die Wesentliches über ihre nicht messbare Feinstofflichkeit erkennen lässt. Als Mitglied des Vereins für Radiästhesie St. Gallen, Vereinigung Schweizer Kraftorte, der Schweizerischen Akademie für Burnout-Prophylaxe und von «der pfad» bringt er sein Wissen ein. Er bietet verschiedene Kurse und Veranstaltungen an. Mehr unter naturenergetik.ch

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