Naturzyt 2018 09

Natur erfahren: Wissenswertes über Wildpflanzen

Weisstanne

Weisstanne - Weihnachtsbaum und Hustenmittel

Als immergrüner Baum symbolisiert die Weisstanne Lebenskraft, Unsterblichkeit und Wiedergeburt. Die Königin des Waldes hilft bei Erkältungserkrankungen und stärkt die Nerven.

Begegnung mit der Weisstanne in der Natur

Wir finden die Weisstanne in den europäischen Wäldern der Mittelgebirge bis auf 1500 Meter Höhe. Als aufrecht wachsender immergrüner Nadel baum kann sie bis 70 Meter hoch werden. Ihre Wurzeln reichen tief in den Boden. Die Rinde ist anfangs glatt und braun, später weisslich-grau (daher der Name). Die Weisstanne unterscheidet sich von der Fichte (Rottanne) dadurch, dass die Nadeln an der Unterseite weisse Streifen aufweisen und vom Zweig nur nach zwei Seiten abstehen (nicht rundherum). Die Zapfen der Weisstanne stehen aufrecht. Findet man im Wald Zapfen auf dem Boden, handelt es sich nie um Weisstannen zapfen. Diese zerfallen bereits auf dem Baum; ihre Schuppen fallen dabei auf den Boden, während die Zapfenspindel auf dem Ast bleibt. Die Weisstanne kann bis zu 600 Jahre alt werden. Sie gehört wie Fichte und Lärche zu den Kieferngewächsen (Pinaceae).

Die Nadeln der Weisstanne stehen nur auf zwei Seiten und haben auf der Nadelunterseite, weisse Streifen im Gegensatz zur Fichte (Rottanne – vordere kleine Tanne im Bild).

Ein Spaziergang im Tannenwald, verbunden mit bewusstem Ein- und Ausatmen, schenkt wärmende Kraft, und der balsamische Duft wirkt belebend und schützend. Als immer grüner Baum symbolisiert die Tanne Lebenskraft , Unsterblichkeit und die Wiedergeburt des Lichtes. An Weihnachten bringen wir den Tannenbaum ins Haus und schmücken ihn mit Lichtern, Äpfeln, Nüssen und Lebkuchen.

Der Bestand der Weisstanne ist in den letzten 200 Jahren sehr stark zurückgegangen. Gründe sind ökonomische und ökologische Einflüsse wie Umweltverschmutzung (Industrieabgase), Kahlschlagwirtschaft , Schädlinge, Übernutzung und Bevorzugung der schnell wachsenden Fichte.

Was sagen die alten Kräuterkundigen?

In der Volksheilkunde hat man frische Tannennadeln über Nacht ins Zimmer gelegt, um die Raumluft zu verbessern und das Atmen bei Erkältungsbeschwerden zu erleichtern. Der den Tannenentströmende Duft wirkt lungenstärkend.

Hildegard von Bingen (12. Jh.) lobte die Tanne wegen ihrer stärkenden, wärmenden und schützenden Wirkung und ihrer Wundheilfähigkeit.

Unsere Vorfahren im Mittelalter haben aus den Tannenzweigen ein Vitamin-C-reiches Tannenbier gebraut und so die heilende Wirkung genossen.

Aus dem balsamisch duftenden Tannenharz wurde der «Elsässer Terpentin» gewonnen und bei vielerlei Erkrankungen eingesetzt. Tannenharz war in vielen Salben und Pflastern enthalten.
Paracelsus (16. Jh.) empfahl ein Bad aus Tannentriebspitzen und Wacholder, um Giftstoff e aus dem Körper zu transportieren.

Auch Pfarrer Kneipp (19. Jh.) schätzte die Heilkraft der Tanne und empfahl bei Lungenleiden und Bronchitis anstelle der Tannentriebe die noch grünen Tannenzapfen als Arznei.

Junge Weiss- und Rottannen suchen sich den Weg in die Höhe

Vielfältige Wirkungen

Die Wirkung der Weisstanne ist vielfältig. Sie hilft bei Erkältungs- und Lungenerkrankungen, wirkt stärkend nach längerer Krankheit, unterstützt unser Nervenkostüm und heilt Wunden. Das Harz wirkt ausserdem durchblutungsfördernd und wird daher heute noch in Rheumasalben verwendet.

Weisstanne hilft bei Husten

Besonders ihre ätherischen Öle wirken schleim lösend und auswurffördernd bei Husten und lungenstärkend bei Lungenschwäche. Hier hilft ein selbstzubereiteter Hustensirup aus Tannen- oder Fichtentrieben.

Weisstanne stärkt die Nerven

Neben ätherischen Ölen finden sich in der Tanne Vitamin C, Vitamin A, Harze und Mineralstoffe. Ein Tee aus Tannentrieben zur Inhalation oder als «Winterbad» wirkt wärmend, schützend und stärkt das Nervenkostüm, z.B. nach einem anstrengen den Tag.

Räuchern mit Weisstanne

Räuchern mit Harz, Nadeln oder Samen hat in der Räucherheilkunde eine sehr lange Tradition. Lange bevor Weihrauch und Myrrhe aus fernen Ländern zu uns gelangten, wurden Weiss- und Rottanne und andere Nadelhölzer als Räuchermittel verwendet. Räucherungen dienen zum Reinigen der Luft von Haus und Hof sowie zur Desinfektion bei und nach Krankheiten. Durch das Räuchern lösen sich Fremdenergien auf, Stress und Angespanntheit wandeln sich in Vertrauen. Nerven und Konzentration werden gestärkt. Die Gedanken werden hell und klar…

Text Ernestine Astecker, Apothekerin und Homöopathin Foto Fotolia

 

Weisstanne in der Kräuter-Apotheke

Die Tanne zählt heute zu den am meisten vom Waldsterben betroffenen Bäumen. Ist ihre Nutzung nicht erlaubt, so kann man auf die Fichte (Rottanne) aus weichen. Mit einer Einschränkung:
Bei Bronchialasthma und Krampfhusten sollte das reine ätherische Öl der Fichte nicht an gewendet werden, da die Krämpfe verstärkt werden können.

In der Kräuterküche

Junge Tannen- und Fichtenschösslinge haben einen zitronenartigen und erfrischenden Geschmack. Sie sind eine auserlesene Zutat in Frühjahrssalaten und liefern sehr viel Vitamin C.

Tee aus der Weisstanne

1 TL junge Tannentriebe in 1/4 l kaltes Wasser geben, zugedeckt aufkochen und abseihen. 3 x täglich 1 Tasse bei Atemwegsbeschwerden. Der Tee hat auch eine desinfizierende Wirkung auf
die ableitenden Harnwege.

Tannentee nach Pfarrer Kneipp

3 grüne Tannenzapfen zerschneiden, in einem halben Liter Wasser zugedeckt ca. 10 Minuten kochen und abseihen. Mehrmals täglich gurgeln.

Weisstannen-bad

2 Handvoll frische Tannenzweige klein schneiden, in einen grossen Topf füllen und mit Wasser bedecken. 20 Minuten auf kleiner Flamme köcheln lassen, die Zweige abseihen und den Sud in das Badewasser geben. Das Weisstannenbad dient zur Stärkung bei Erschöpfung und Übermüdung. Es wirkt wärmend und hilft ausserdem bei Erkältungserkrankungen. Bei Blasenentzündung hat sich ein Sitzbad bewährt.

Hustensirup

Je eine Handvoll junge Tannen- und Fichtentriebe zerkleinern, in einem halben Liter Wasser aufkochen, eine halbe Stunde ziehen lassen. Durch ein Baumwolltuch abgiessen. Die Flüssigkeit mit einem halben Kilo braunem Zucker verrühren. Nochmals erhitzen und solange kochen, bis ein dickflüssiger Sirup entsteht. Abfüllen und beschriften. Der Sirup kann mit Tee getrunken werden und hilft bei festsitzendem Husten.

Die Anwendung der angeführten Rezepturen erfolgt auf eigene Verantwortung und ersetzt keinen Arzt besuch. Eine Haftung der Verfasserin bzw. der Redaktion ist ausgeschlossen.

 

Quellen und weiterführende Literatur

  • S. FischerRizzi Blätter von Bäumen.
  • J. Gruber & E. Thoma, Bäume für die Seele.
  • S. Hirsch & F. Grünberger, Die Kräuter in meinem Garten.
  • A. Huber, Die Heilkraft der Bäume.
  • A. Lingg, Bäume und die heilende Kraft des Waldes.
  • R. Strassmann, Baumheilkunde.

 

Kräuterrundgänge und Kräuterkurse mit Ernestine

Ernestine Astecker ist Apothekerin und Homöopathin und arbeitet in eigener Gesundheitspraxis in Jonen AG. In Kräuterkursen und auf Kräuterrundgängen gibt sie gerne ihre Begeisterung und ihr Wissen über Kräuter weiter. Nähere Informationen unter www.eastecker.ch, www.al-chemilla.ch oder Tel. 043 322 86 70.

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