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NATURZYT-Ausgabe Juni 2021

Homöopathie: Mittel, Wirkung und Anwendung

Cocculus bei Übelkeit

Cocculus - das homöopathische Mittel bei Reiseübelkeit

Wer schon mal so richtig seekrank war, kann sich den Zustand gut vorstellen, bei dem das Mittel Cocculus verschrieben wird.

Irgendwann wird es wieder möglich sein, dass wir über Serpentinen den Gotthard hoch und hinunter Richtung Süden fahren oder eine Fähre nehmen, die uns auf eine Mittelmeerinsel bringt. Und vielleicht wird die Überfahrt etwas unruhig und schwankend sein. Vielen Menschen und auch einigen Tieren wird es in solchen Situationen schlecht. Besonders Kinder und junge Hunde leiden bei längeren und kurvenreichen Autofahrten, fühlen sich elend und müssen sich gar übergeben. In diesen Fällen ist das homöopathische Mittel Cocculus eine grosse Hilfe und sollte in keiner Reiseapotheke fehlen. Die Beschwerden, die mit Cocculus gelindert werden, gehen oft mit Schwindel und Schwäche einher. Man hat das Gefühl, wie betrunken zu sein. Wichtige Hinweise für die Wahl des richtigen Mittels sind die Modalitäten, also die Umstände, die die Beschwerden lindern bzw. verschlechtern. Bei Cocculus-Patienten verschlimmert sich der Zustand bei Bewegung, egalob man sich selber bewegt – auch die kleinste Kopfbewegung genügt – oder ob man auf sich bewegende Gegenstände schaut. Auch Essen verschlimmert die Übelkeit. Es reicht sogar der Essensgeruch oder der Gedanke daran, um die Übelkeit zu verstärken. Hingegen geht es diesen Patienten besser, wenn sie sich hinlegen und die Augen schliessen.

Homöopathisches Mittel COCCULUS INDICA

Das homöopathische Mittel Cocculus wird aus den getrockneten Beeren der in Indien, Sri Lanka und dem Malaiischen Archipel heimischen Kletterpflanze Anarmita cocculus (auf Deutsch Scheinmyrthe oder Kockelspflanze) hergestellt. Der in der Homöopathie verwendete Name Cocculus indica ist nicht der botanische Name, sondern bezieht sich auf das kommerzielle Produkt der Pflanze, die Beeren. Kokkus ist das griechische Wort für Beere, Cocculus die Verkleinerungsform. Diese Beeren, auf Deutsch Kockelskörner genannt, sind sehr giftig und wurden früher von den Einheimischen zum Fischen verwendet. Man fütterte die Fische mit diesen «Fischbeeren» und diese wurden langsam, machten komische Bewegungen und liessen sich ganz einfach fangen. In der Medizin wurde früher das in den Beeren enthaltene Gift Pikrotoxin als Antidot bei Vergiftungen mit Barbituraten, einer Gruppe von Schlaf- und Narkosemitteln, eingesetzt. Heute gewinnt es zunehmend wieder an Bedeutung als Medikament gegen Schwindelattacken beim Morbus Menière.

Auch in der Homöopathie sind dies zwei wichtige Indikationen für den Einsatz von Cocculus. Das sind einerseits Zustände von Schläfrigkeit, Erschöpfung, Langsamkeit, die auftreten können nach Schlafmangel, Nachtwachen, Überarbeitung oder Jetlag nach langen Flugreisen. Dieses Gefühl lässt sich mit demjenigen nach der Einnahme eines Schlafmittels vergleichen. Andererseits gibt es den Schwindel, der bedingt sein kann durch eine Erkrankung wie Morbus Menière, oder den gutartigen Lagerungsschwindel, der als Folge von Schlafmangel oder Reisekrankheit auftreten kann. Wie bei der Reiseübelkeit bessert sich der Schwindel, wenn man sich hinlegt und die Augen schliesst. Er wird schlimmer beim Aufsitzen und bei jeder Bewegung, vor allem auch, wenn man die Augen bewegt.

Getrocknete Beeren der in Indien, Sir Lank heimischen Archipel

Cocculus wird sicher häufig bei Reiseübelkeit in der Homöopathie eingesetzt

Wer eine homöopathische Apotheke hat, wird Cocculus sicher am häufigsten bei Reiseübelkeit einsetzen. Natürlich gibt es auch bei dieser Indikation weitere Mittel, die in Frage kommen. Zum Beispiel Ipecacuanha, wenn die Übelkeit mit viel Speichelbildung verbunden ist, sich beim Hinlegen noch verstärkt und Erbrechen keine Erleichterung bringt. Oder Petroleum, wenn das Zufächeln von frischer Luft sehr hilft . Bei Hunden kann man gut beobachten, dass sie im Auto die Schnauze ans offene Fenster halten. Ein anderes hilfreiches Mittel ist Tabacum, das auch bei Übelkeit nach zu viel Nikotin eingenommen werden kann. Bei der Reiseübelkeit ist es angezeigt bei Blässe, kaltem Schweiss und wenn bei der geringsten Bewegung erbrochen wird. Und zu guter Letzt: auch die Fahrweise kann eine Rolle spielen. Ich hatte mal einen Hund in Behandlung, der hatte keine Probleme mit Autofahren, wenn sein Frauchen am Steuer war, musste aber jedes Mal erbrechen, wenn sein Herrchen fuhr …

Olivia Scherrer ist Tierärztin und klassische Homöopathin für Mensch und Tier. Sie arbeitet in Zürich und Kloten. Weitere Informationen auf www.oliviascherrer.ch oder 076 528 41 81

Die Anwendung der aufgeführten Mittel erfolgt auf eigene Verantwortung und ersetzt keinen Arztbesuch. Eine Haftung der Verfasserin bzw. der Redaktion ist ausgeschlossen.

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