Naturzyt 2019 3

Natur bewahren: Wildbienen schützen

Wildbiene an Blüte

Bedrohte Blumenkinder

Mit dem sprichwörtlichen Bienenfleiss sammeln Wildbienenweibchen an Blüten Pollen und Nektar: Die enormen Mengen, die sie benötigen, gilt es dringend zu erhalten und zu mehren.

Wildbienen zu helfen, ist gerade in aller Munde. Doch wie gelingt dies wirkungsvoll? Eine künstliche Nisthilfe aufzuhängen, bietet Beobachtungsmöglichkeiten für uns Menschen, doch einziehen können nur ganz wenige, sehr häufige Arten. Den vielen bedrohten Arten, die ganz dringend auf Hilfe angewiesen sind, helfen sie leider nicht.
Was aber Wildbienen und vielen weiteren Wildbestäubern wie Schmetterlingen oder Schwebfliegen wirkungsvoll hilft, ist die Verbesserung des Nahrungsangebots.
In ausgeräumten Gärten und Landschaften finden Wildbestäuber immer weniger Nahrung. Sie sind auf ein vielfältiges und grosses Blütenangebot angewiesen, von Februar bis in den November hinein.

Dabei spielen auch verschiedene Pflanzenfamilien eine grosse Rolle für die 25% der spezialisierten Wildbienen. Ideal ist deshalb ein farben- und formenfroher Mix aus verschiedenen einheimischen Ökotypen: Korbblütlern, Dickblattgewächsen, Schmetterlingsblütlern, Rosengewächsen, Kreuzblütlern, Lippenblütlern etc. parallel während der ganzen Wildbienensaison.

Diese Mauerbiene hat den gesammelten Pollen im Nest festgedrückt und hat davon noch Spuren auf dem Kopfschild.

WILDBIENEN ERLEBEN

Wer genau hinsieht, entdeckt, wie fleissig die Weibchen Pollen sammeln. Die Haare der Bienen sind federförmig, und so bleiben die Pollenkörner besonders gut kleben. Sorgfältig werden diese Körner regelmässig mit den Beinen gut am Körper festgepappt, damit möglichst schnell möglichst viel Pollen transportiert werden kann. Je nach Art wird der Pollen an den Beinen, an der Bauchbürste oder auch am Körper transportiert. Auffällig sind die mit Nektar vermischten Pollenkörbchen bei Hummeln (und Honigbienen). Die Weibchen haben es eilig, denn ihre Lebenszeit ist kurz und die Sonnenstunden begrenzt, in denen sie ausfliegen können. So sammeln sie blitzschnell und mit akrobatischem Geschick Pollen. Sie scheinen sich fast auf die Blüten zu «stürzen», stärken sich mit dem Rüssel am süssen Nektar und sammeln gleichzeitig fleissig mit den Beinen Pollen … und schon geht es weiter zur nächsten Blüte!

Auch die Männchen spielen eine wichtige Rolle bei der Bestäubung: Sie sammeln selbst zwar keinen Pollen und besuchen die Blüten nur, um Nektar zu trinken, doch auch an ihrem Pelz bleiben dabei Pollenkörner hängen und können beim Berühren der Narbe einer anderen, gleichen Pflanze bestäuben.
Dabei sind auch die verschiedenen Rüssellängen hilfreich, und einige Pflanzen behalten sich mit einer besonders tiefen Kronröhre nur bestimmten Wildbestäubern vor. So gibt es kurz- und langrüsslige Bienen mit den entsprechenden Blütenpräferenzen.

Die Larven essen in den Brutzellen für sie gesammelten Pollen.

WILDBIENEN SCHÜTZEN

So sind Wildbienen von enormen Mengen an Pollen und Nektar abhängig. Die Schwarze Mörtelbiene (Megachile parietina) beispielsweise benötigt den gesamten Pollen von 1140 Esparsetten‐ Blüten für einen einzigen Nachkommen, das sind mehr als 4 Pflanzen. Doch sie hat dabei Konkurrenz, denn auch weitere Arten sammeln an dieser begehrten Bienenweide. Diese eingerechnet, braucht sie sogar 11 Pflanzen für einen einzigen Larvenproviant! Neben der Gefahr durch Pestizide ist Nahrungsmangel ein grosses Problem für Wildbienen. Sie finden immer weniger Blüten, es wird zu viel gemäht, zu viel gedüngt, was gerade für besonders wertvolle Magerpflanzen das Aus bedeutet, etc.

Verschärft werden kann dies leider zusätzlich durch die Konkurrenz mit domestizierten Honigbienen. Als landwirtschaftliche Nutztiere ergibt gerade ihr mobiler Einsatz Sinn in den Monokulturen und bei grossen Trachten. Doch im Siedlungsraum wie in Städten, in der Landschaft und insbesondere in Naturschutzgebieten können sie durch den Abtransport grosser Mengen an Pollen und Nektar für ihre Honigproduktion als Wintervorrat problematisch werden, sobald das Nahrungsangebot begrenzt ist. Wildbienen produzieren keinen Honig, weil sie als heimische Arten an unser Klima angepasst sind und während des Winters keine Nahrung brauchen. Sie überwintern je nach Art als Larve, Puppe oder fertig entwickelte Biene in einer Winterruhe.

BIENENWEIDEN
heissen so, weil sie besonderes viel Pollen und/oder Nektar bieten. In diesen Monaten sind besonders wertvoll: Glockenblumen, Natternkopf, Heilziest, Hornklee, Esparsette, Wegwarte, Reseda, Dost, Färberkamille

Damit Wildbienen überleben, brauchen sie genügend Nahrung für sich und für ihre Nachkommen. Auch auf dem Balkon ist ein Nahrungsangebot wertvoll, oft kommen sie dank dieser wichtigen «Tankstelle» von einem Lebensraum zum nächsten. Solche Korridore sind auch in der Landschaft und in der Landwirtschaft wichtig, damit Wildbestäuber sich auch dort einfinden und ihre wichtige Aufgabe der Ökosystemleistungen erbringen können und Kulturen wie auch Wildpflanzen bestäuben.

SCHAFFEN SIE EIN BLÜTENMEER

Bienenweiden auf dem Balkon, am Wegrand, im Garten, im Quartier, am Waldrand und am Ackersaum etc. sind von enormer Bedeutung, damit Wildbienen Zukunft haben. Hilfreich ist dabei auch nichts tun – mit einer Toleranz gegen sogenanntes «Unkraut», gerade diese vielen kleinen Blüten sind oft sehr wertvoll und begehrt bei Wildbienen: Jede Blüte zählt – jede Biene zählt!

Text/Fotos Deborah Millett, Wildbee

Welt des Pollens - Farben und Transportmittel

Die Hummel formt mit Nektar dicke Pollenhöschen
Je mehr Haare, desto mehr Pollen bleiben hängen.
Mehr geht fast nicht: ganzer Körper voll Blütenstaub
Eingepudert beim Nektartrinken
Pollenbad im Korblütler
Pollenkörner der Malven sind besonders gross.
Trockner
Frisch begonnener Sammelflug: erste, dünne Pollenschicht.

 

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