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NATURZYT-Ausgabe September 2020

Wildbienen fördern und schützen in der Schweiz

Wildbienen schützen

Wohnung gesucht

So vielfältig wie die Arten sind auch ihre Nistplätze: Wie wir der Wohnungsnot für Wildbestäuber Abhilfe schaffen.

Die Nistplätze von Wildbienen sind erstaunlich vielfältig und vermögen immer wieder zu überraschen. Kleine Spalten finden Verwendung, alte Bohrlöcher, geknickte Pflanzenhalme, Fugen zwischen Wegplatten haben spannende Löcher mit Aushubmaterial. Im Schaffell auf dem Balkonstuhl beginnt eine Hummelkönigin ihr Nest zu bauen, an einen Fensterrahmen-Spalt fliegt eine Mauerbiene mit Lehmbrocken an, im abgestorbenen Himbeerast nagt sich eine Keulhornbiene einen Gang hinein …

Doch nicht immer ist es so einfach für Wildbienen, einen Nistplatz zu finden. Versiegelte Böden, Schotterflächen, verputzte Hauswände, gepützelte Gärten, begradigte Flächen, Rasen und Tujahecken etc. machen ihnen das Überleben schwer.

Wildbienen träumen von etwas Wildnis, von naturnahen, vielfältigen Strukturen. Von offenen Bodenflächen, Abbruchkanten, Totholz mit Käferlarvenfrassgängen, Grassstreuhaufen, morschen Bäumen, Steilwänden, leeren Schneckenhäuschen, stehenden Pflanzenstängeln, Spalten in Trockenmauern und Hauswänden etc.

Eine von vielen trostlosen Baumscheiben in Quartieren, die Potenzial hätten für ein Projekt.
Sie könnten mit wenig Aufwand zu kleinen Oasen werden für Wildbienen und andere Tiere.

HOTEL IST NICHT GENUG

Künstliche Nisthilfen, die sogenannten «Insektenhotels», bewähren sich nicht als Ersatz für natürliche Nistplätze. Sie stammen ursprünglich aus der kommerziellen Vermehrung und haben eine Menge Nachteile wie Parasitendruck, Beschädigungen, Konkurrenz, Milben, Verletzungsgefahren, werden oft vernachlässigt etc. Sie werden nur von bereits sehr häufigen Arten besiedelt, die gar keine Förderung brauchen, und können echte, natürliche Nistplätze niemals ersetzen.

Die wirklich bedrohten Arten finden sich hier nicht ein und gehen leer aus – doch gerade für sie sind geeignete Nistplätze besonders wichtig. Beispielsweise für die grosse Mehrheit der Wildbienen, die in der Erde nisten. Sie machen 50% der Arten aus und, wenn noch ihre Kuckucksbienen dazugezählt werden, sogar 75%.

WOHNUNG GESUCHT
Ich (w, alleinerziehend, suche dringend einen Platz zum nisten. Langfristiger Vertrag erwünscht (keine Hotels), Mietbeginn jeweils ca. März für mindestens 1 Jahr, gerne länger! Wenig Ansprüche an Komfort, allfällig nötige Renovationsarbeiten werden beim Einzug selbst erledigt. Platzbedarf für ca. 10 Brutzellen-Zimmer, Raumwände werden selbst nach Bedarf eingebaut. Entfernung zu den nächsten Blütenständen höchstens 100 Meter. Idealerweise in einer naturnahen, giftfreien Nachbarschaft mit anderen Wildbienen. Biete als Mietzins hervorragende Bestäubungsleistung: Danke für jeden Tipp!

ES LEBE DIE VIELFALT

Naturstrukturen sind deshalb ein Eldorado für Wildbienen! Auch auf dem Balkon lassen sich grosse Töpfe mit Sand horizontal und vertikal anbieten, grosse Stämme oder dicke Äste von Morschholz oder verlöchertem Totholz aufstellen etc.

WENN EIN ABGESTORBENER MARKSTÄNGEL EIN PARADIES WIRD

Besonders einfache Nistmöglichkeiten bieten abgestorbene Markstängel von Brombeeren, Rosen, Königskerzen, Disteln, Malven, Himbeeren etc. Wenn der Stängel nach dem ersten Jahr der Pflanze abstirbt, wird er ab dem folgenden Mai für Markstängelbewohner als Nistplatz interessant, und sie legen ihr Nest im Mark an. Ein Jahr später – im dritten Jahr der Pflanze – schlüpfen dann die Jungen. Im so entstandenen Hohlraum nisten dann andere, hohlraumbewohnende Wildbienenarten. Im Folgejahr schlüpfen dann deren Jungen. So kann der Stängel noch mehrere Jahre Nistplatz sein, bis die Wände verwittert sind. Meist werden solche Stängel jedoch schon im ersten oder im zweiten Jahr abgeschnitten, wodurch wertvoller Nistplatz und teils sogar Brut verloren geht. Entdeckt man beim Schneiden Löcher an den Schnittstellen oder Seitenwänden, die auf Nester hindeuten, kann man den Stängel an einem geschützten Platz im Freien deponieren, damit im Folgejahr die Jungen noch schlüpfen können. Dicke, abgestorbene Markstängel am besten einfach stehen lassen, oder wo sie stören, in Stücke von ca. 50 Zentimeter Länge schneiden. Sie können einzeln und senkrecht an Balkongeländer gebunden, in Zäune geflochten werden etc. und werden innert kürzester Zeit besiedelt. Dabei sollten sie nicht gebündelt und nicht waagrecht sein, weil sie sonst von diesen Arten optisch nicht erkannt werden. Solche Nistplätze sind selten und deshalb heiss begehrt von Stängel- Mauerbienen, Keulhornbienen, verschiedenen Maskenbienen-Arten etc. und bieten uns spannende Beobachtungen.

Mehr rund um Wildbienen-Nistplätze: www.wildBee.ch/nistplaetze 

Geeignete Wohnräume

Offene Bodenstellen für Erdnister
Hohlräume für Hohlraumbewohner
Mauslöcher, Grasstreu, Moos etc. für Hummeln
Morschholz, abgestorbene Bäume für Morschholzbewohner
Steilkanten, Sandwände für Seilwandbewohner
Markhaltige Pflanzenstängel für Marktstängel-Bewohner

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