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NATURZYT-Ausgabe Dezember 2019

Natur bewahren: Themen zum naturnahen Garten

Wildsträucher

Wilde Sträucher im Garten

Steril oder wildromantisch? Exotische Ziergehölze und Nadelbäume oder einheimische wertvolle Sträucher mit Blüten, Samen und Früchten für ein wild romantisches Gartenleben?

Es ist nicht einfach, aus dem Angebot an exotischen Ziergehölzen und Nadelbäumen in den Gärtnereien und Gartencentern eine Wahl zu treffen. Es spielt aber auch keine grosse Rolle, denn die meisten Pflanzen stammen aus fremden Ländern oder sind spezielle Kreuzungen, die nicht an unsere lokale Tierwelt angepasst sind. Oft haben sie sterile Blüten, das heisst, sie produzieren weder Früchte noch Samen. Somit steuert man automatisch auf einen «sterilen» Garten hin.

EINHEIMISCHE WILDPFLANZEN
Das Angebot an einheimischen Wildpflanzen in den grossen Gartencentern ist noch gering, wird aber je länger, je besser. Und wer etwas zur Artenvielfalt beitragen möchte oder einen wildromantischen Garten bevorzugt, wählt dafür einheimische Wildsträucher. Aber was heisst «ein heimisch»? Einheimisch werden Pflanzen genannt, welche ihr natürliches Verbreitungsgebiet in der Schweiz haben und sich seit vielen Jahrhunderten und ohne Zutun des Menschen entwickelten. Neophyten (Neuankömmlinge seit 1492) zählen nicht dazu, da sie mit Hilfe des Menschen angekommen sind. Sie können sich auch in unseren natürlichen Biotopen ausbreiten und die einheimischen Pflanzen verdrängen. Unsere Tierwelt hat sich im Laufe der Jahrhunderte an die Wildsträucher angepasst und gelernt diese zu nutzen. Sei es als Nistplätze oder Nahrungsquelle.

NISTPLATZ UND NAHRUNGSQUELLE
Die Früchte des heimischen Weissdorns werden zum Beispiel von 32 Vogelarten gefressen, die des nah verwandten nordamerikanischen Scharlachdorns jedoch nur von zwei. Oder der einheimische Wachholder ernährt 43 Vogelarten, der häufig gepflanzte chinesische Wachholder nur eine. Ein weiteres gutes Beispiel ist der sehr beliebte, aber nicht einheimische Sommerflieder oder Schmetterlingsstrauch – für erwachsene Falter eine sehr begehrte Nektarquelle, für den Nachwuchs, also als Raupenfutterpflanze, völlig wertlos. Und ohne die Raupen fehlt es den Meisen und anderen Vögeln an Nahrung. Da nützt auch der wohlgemeinte aufgehängte Nistkasten nichts mehr.
Auch im schützenden Dickicht von Holunder, Weissdorn oder Pfaffenhütchen nisten gerne Vögel. Im Herbst sorgen dann die bunten Beeren für einen reich gedeckten Tisch. Von der Vogelbeere und dem schwarzen Holunder ernähren sich jeweils über 60 Vogelarten, aber auch Säugetiere wie Mäuse und selbst Fuchs und Marder naschen gerne davon. Man muss deswegen nicht alle nicht einheimischen Gehölze aus den Gärten verbannen, denn einige wie der Flieder, der Jasmin oder die Forsythie haben eine lange Gartentradition. Man kann sie aber wunderbar mit heimischen Wildsträuchern kombinieren. Dies nützt nicht nur der Artenvielfalt, sondern schont auch den Geldbeutel, denn einheimische Wildsträucher sind im Vergleich zu Zuchtformen oder Exoten günstiger. Ein weiterer Vorteil von einheimischen Wildsträuchern besteht darin, dass sie an unsere Klimaverhältnisse angepasst und damit wesentlich robuster und auch pflegeleichter sind als die Exoten.

IM HERBST PFLANZEN
Es gibt also viele Gründe, jetzt im Herbst ein paar Sträucher oder eine ganze Hecke aus mehreren Sträuchern zu pflanzen. Der beste Zeitpunkt ist während der Vegetationsruhe ab Oktober bis Dezember. Es kann aber auch bis Ende März gepflanzt werden. Natürlich wird bei gefrorenem oder schneebedecktem Boden nicht angepflanzt. Das Pflanzloch sollte etwa doppelt so breit und tief sein, als der Wurzelballen gross ist. Die Wurzeln werden mit einem scharfen Messer eingekürzt und faule oder verletzte Stellen ausgeschnitten. Der Strauch dann ins Loch gestellt, dieses mit lockerer Erde wieder gefüllt und der Strauch «hochgerüttelt», bis der Wurzelbereich gut mit Erde bedeckt ist. Danach gut wässern und die Erde andrücken. Eine gute Pflanzanleitung, auch für Hecken, stellt Grün Stadt Zürich (siehe am Schluss des Artikel) unter dem Titel «Wildsträucher – wie sie gepflanzt werden» zur Verfügung.

Die Beeren von Wildsträuchern sind eine wichtige Nahrung für Vögel.

PLATZBEDARF UND HÖHE
An einer Auswahl an heimischen Sträuchern mangelt es nicht, aber man sollte sich überlegen, was man möchte, und sich dann beraten lassen, denn je nach Gartengrösse muss die Wuchshöhe, aber auch der Abstand der Pflanzen entsprechend berücksichtigt werden. Für kleine Sträucher gilt ein Pflanzabstand von 0,5 – 1 Meter, für grössere von 1,5 – 2 Metern. Und wer seine Hecke als Sichtschutz zum Nachbar pflanzen möchte, muss sich auch noch um Grenzabstände kümmern. So ist zum Beispiel bei Grünhecken bis zu einer Höhe von 1,2 Metern ein Abstand von 0,5 Meter einzuhalten. Am besten plant man eine Hecke gleich gemeinsam mit dem Nachbarn. Die nachfolgende Liste ist nicht abschliessend, gibt aber eine kleine Hilfe:

KLEINE STRÄUCHER (BIS 3 METER)

  • Hundsrose / Heckenrose (Rosa canina)
  • Feldrose (Rosa arvensis)
  • Rote Heckenkirsche (Lonicera xylosteum)
  • Gemeiner Wacholder (Juniperus communis)
  • Gemeine Berberitze (Berberis vulgaris)
  • Blutroter Hartriegel (Cornus sanguinea)
  • Gewöhnlicher Schneeball (Viburnum opulus)
  • Wolliger Schneeball (Viburnum lantana)

MITTELGROSSE STRÄUCHER (4 BIS 7 METER)

  • Schwarzdorn / Schlehe (Prunus spinosa)
  • Pfaffenhütchen (Euonymus europaeus)
  • Kornelkirsche / Tierlibaum (Cornus mas)
  • Haselstrauch (Corylus avellana)
  • Schwarzer Holunder (Sambucus nigra)

GROSSE STRÄUCHER / KLEINE BÄUME (8 BIS 20 METER)

  • Vogelbeere/Eberesche (Sorbus aucuparia)
  • Wildapfel (Malus communis)
  • Vogelkirsche (Prunus avium)
  • Mehlbeere (Sorbus aria)
  • Grauerle (Alnus incana)
  • Schwarzerle (Alnus glutinosa)
  • Feldahorn (Acer campestre)
  • Traubenkirsche (Prunus padus)
  • Salweide (Salix caprea)

DIE QUAL DER WAHL
Neben der Grösse gibt es aber weitere Kriterien, die helfen können. Zum Beispiel liefern unter anderem Holunder, Heckenrose, Pfaffenhütchen, Schneeball, Hartriegel und Mehl- und Vogelbeere wertvolle Beeren für Vögel. Mit Heckenkirsche, Salweide, Haselnuss, Schwarzerle und Vogelbeere werden Schmetterlinge gefördert, da sich auch die Raupen bei diesen Sträuchern wohlfühlen.
Aber auch die Art des Bodens oder der Standort spielen eine wichtige Rolle. Einige lieben trockene und sonnige Standorte, andere haben es lieber schattig und feucht.

WO ERHÄLT MAN WILDSTRÄUCHER?
Wildsträucher erhält man mittlerweile in Gärtnereien und auch Gartencentern, aber Achtung, oft werden auch «Zuchtformen» als Wildsträucher verkauft. Im Lateinischen haben einheimische Wildsträucher einen Doppelnamen, zum Beispiel «Sambucus nigra» für den Schwarzen Holunder oder «Viburnum opulus» für den Gewöhnlichen Schneeball. Zuchtformen haben einen zusätzlichen Hinweis. Der «Viburnum opulus Roseum» zum Beispiel ist eine Zuchtform des Schneeballs, bildet aber keine Früchte. Achten Sie darauf und bestehen Sie auf die Wildform. Ein paar spezialisierte Anbieter von Wildpflanzen finden Sie am Schluss des Artikels.

PFLEGE DER STRÄUCHER UND HECKEN
Wildsträucher brauchen grundsätzlich aus ökologischer Sicht keinen Rückschnitt. Es besteht aber die Gefahr, dass schnell waschsende Sträucher sich durchsetzen und andere verdrängen. Der beste Zeitpunkt für den Rückschnitt ist im Winter zwischen Februar und März, da das Astgerüst sichtbar ist und somit keine Brutvögel gestört werden. Die häufigste Schnittmethode ist das Auslichten. Werden Sträucher zu dicht, schneidet man einzelne Äste direkt über dem Boden ab. Einige, aber nicht alle Wildpflanzen können vollständig «auf Stock» geschnitten werden. Das heisst, der Strauch wird 15 bis 20 Zentimeter über dem Boden vollständig abgesägt und wächst dann wieder nach. Aber, wie erwähnt, nicht alle vertragen diese «Radikalkur».
Der Rückschnitt erst im Februar/ März hat den Vorteil, dass vertrocknete Blütenstände und Früchte am Strauch bleiben und eine beliebte Nahrungsquelle für viele Vögel bilden. Auch das Laub lässt man liegen, es bietet Insekten, Vögeln und Kleinsäugern einen unverzichtbaren Unterschlupf im Winter. Viele Schmetterlinge überwintern als Raupen oder als Puppen in der Laubschicht auf der Erde. Es schafft damit ein optimales Klima für die Überwinterung vieler Kleintiere und Insekten. Bei wärmeren Temperaturen wird es allmählich von Pilzen und vielen Kleinstlebewesen abgebaut.
Es spricht vieles dafür, sich für ein heimische Wildsträucher zu entscheiden, egal wie gross der Garten ist, jeder Strauch bringt nicht nur uns viel Freude, sondern ist ein Beitrag an unsere Natur.

Hilfreiches zu den Wildpflanzen

Zur NATURZYT-Auflistung von einheimischen Wildsträucher

Wildstrauch-Gärtnereien/Gartencenter

Merkblätter

  • Wildsträucher – wie sie gepflanzt werden
  • Wildsträucher –wie sie gepflegt werden

Bezug: Grün Stadt Zürich,  T 044 412 27 68

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