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Naturzyt 2019 3

Natur bewahren: Themen zum naturnahen Garten

Gemeine Flieder

Der gemeine Flieder und der Sommerflieder

Liebe garten- und naturbegeisterte Leserinnen und Leser, in dieser Ausgabe widme ich mich ausschliesslich dem Flieder. Ich will Ihnen aber aufzeigen, dass Flieder nicht gleich Flieder ist. Da wäre zum einen der Gemeine Flieder (Syringa vulgaris). Er stammt aus Südosteuropa und gehört zur Familie der Ölbaumgewächse. Er ist eine gern gesehene Zierpflanze in Garten und Park, verströmt den typischen Fliederduft und dient in unzähligen Gedichten als Thema.

Auch ein Thema, allerdings ein eher unrühmliches, ist der andere Flieder, auch Sommerflieder, Schmetterlingsflieder oder Schmetterlingsstrauch genannt. Unter dieser Bezeichnung ist immer nur eine Fliederart gemeint: Buddleja davidii, zur Familie der Braunwurzgewächse gehörend und aus China und Tibet stammend. Ihm gehört in dieser NATURZYT-Ausgabe unsere ganze Aufmerksamkeit. Nicht weil er so schön blüht oder betörend duftet und bei den Schmetterlingen, aber auch bei vielen Gartenbesitzern so beliebt ist. Sondern weil er sich zunehmend zu einem grossen Problem entwickelt.

Der Sommerflieder produziert bis zu 3 Millionen Samen

Ende des 19. Jahrhunderts kam der Sommerflieder als Zierpflanze nach Europa. Da er eine unkomplizierte, schnell wachsende und reichlich blühende Pflanze ist, war er rasch sehr beliebt und wurde grosszügig in den Gärten angepflanzt. Nur 30 Jahre später hat sich der Sommerflieder aus den Gärten davongemacht und sich in der freien Natur angesiedelt.
Der Sommerflieder ist eine eigentliche Pionierpflanze, das heisst, er siedelt sich gerne dort an, wo nicht oder noch nicht viel wächst, wo es also noch genügend offenen Boden hat (Kiesplätze, Fels- und Mauerritzen usw.). Die Samen brauchen zum Keimen keine Nährstoffe, sie sind also anspruchslos, was ihnen einen weiteren Vorteil verschafft. Die Keimlinge wachsen sehr rasch, und der Sommerflieder blüht bereits nach nur einem Jahr das erste Mal – und produziert von da an auch Samen. Die Samen werden durch den Wind weit verbreitet. Eine ausgewachsene Pflanze produziert bis zu 3 Millionen Samen, die über mehrere Jahre keimfähig sind! Und als ob dies nicht schon genug wäre, verbreitet sie sich zusätzlich noch vegetativ durch unterirdische Wurzelausläufer. So verwundert es nicht, dass heute der Sommerflieder eine häufig anzutreffende Pflanze ist, der es eigentlich an allen Standorten, ausser auf nassen Böden, wohl ist.

Bereits an den Blättern erkennen wir den Sommerflieder (Buddleja davidii).

Konkurrent von einheimischen Pflanzen

Und genau das ist das Problem. Durch seine weite Verbreitung, durch die lange Keimfähigkeit der im Boden liegenden Samen und durch sein schnelles Wachstum tritt er in Konkurrenz zu unseren einheimischen Pflanzen. Durch breite Sommerfliederbestände werden ansonsten besonnte Flächen beschattet und die einheimischen Pflanzen werden verdrängt. Das wiederum wirkt sich negativ auf die einheimische Insektenwelt aus. Der Sommerflieder besitzt zwar ein reichhaltiges Nektarangebot, und die Schmetterlinge, Bienen und Hummeln tummeln sich in grosser Zahl auf dieser Pflanze, aber als Futterpflanze für Schmetterlingsraupen spielt der Sommerflieder überhaupt keine Rolle. Wenn nun der Sommerflieder die einheimischen Nektar- und Raupenfutterpflanzen verdrängt, fehlt den Schmetterlingsraupen ihr Futter. Und ohne Raupen keine Schmetterlinge – da nützen auch Hunderte Sommerflieder nichts.

Und auch die Blüten des Sommerflieders (Buddleja davidii) (Bild) unterscheiden sich klar von denjenigen des Gemeinen Flieders (siehe Hauptbild am Beginn des Artikels).

Ein invasiver Neophyt

Diese Zusammenhänge gilt es zu begreifen und die Bedeutung der bedrohlichen Ausbreitung des Sommerflieders zu verstehen. Der Sommerflieder( Buddleja davidii) ist ein invasiver Neophyt. «Neophyten sind gebietsfremde Pflanzenarten, die nach dem Jahr 1500 in die Schweiz eingebracht wurden und wildlebend etabliert sind. Invasive Neophyten sind Pflanzenarten, die sich so stark und rasch ausbreiten, dass sie andere für den betreffenden Lebensraum charakteristische Arten verdrängen» 

Ein verblühter Sommerflieder mit trockenen Samenständen, bereit, zu versamen und sich auszubreiten. Spätestens jetzt wäre Handeln gefragt.

Rund 10% unserer Flora sind Neophyten, davon ist nur jede zehnte Art invasiv. Die Schweizerische Kommission zur Erhaltung der Wildpflanzen betreibt eine Informationsstelle für invasive Neophyten. Der Sommerflieder (Buddleja davidii) steht auf der Schwarzen Liste. Auf der «Schwarzen Liste» sind diejenigen invasiven Neophyten zu finden, die Schäden in den Bereichen Biodiversität, Gesundheit und Wirtschaft anrichten. Die Ausbreitung dieser Pflanzen muss verhindert werden. Demgegenüber sind auf der «Watch-List» diejenigen invasiven Neophyten aufgelistet, die das Potential haben, Schäden zu verursachen. Diese Pflanzen müssen gut beobachtet werden. 

Einheimische Alternativen bevorzugen

Aufgrund der Problematik, dass die Buddleja davidii auf der Schwarzen Liste steht, sollte sie im Siedlungsraum (Gärten, Parks, usw.) nicht weiter angepflanzt oder sogar noch gefördert werden. Leider werden jedoch noch immer Sommerflieder verkauft, und gerade in deutschen Gartenbüchern und –zeitschriften wird er hoch gelobt und als unverzichtbar für Schmetterlinge gepriesen. Das ist – wie wir nun wissen – falsch und nicht nachvollziehbar. Haben Sie nun im Garten einen Sommerflieder (Buddleja davidii), dann ist es das Beste, ihn komplett abzuschneiden und die Wurzeln zu entfernen. Wegen der im Boden lagernden Samen muss dieser jährlich auf neue Sprossen kontrolliert werden. Wollen Sie jedoch, aus welchen Gründen auch immer, an Ihrem Sommerflieder festhalten, dann empfiehlt es sich, die Blütenstände nach dem Verblühen sofort abzuschneiden und, wie übrigens auch die ganze Pflanze, im Kehricht zu entsorgen und auf keinen Fall im Garten zu kompostieren.

Einheimische Alternativen zum Sommerflieder (Buddleja davidii) können sein: Sanddorn, Holunder, Besenginster, Färber-Ginster, Felsenmispel, Zimt-Rose oder andere Wildrosen-Arten.

Herzlich Claudia Ebling
www.natur-im-garten.ch

Fotos Claudia Ebling/Fotalia

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