Naturzyt 2018 09

Natur bewahren: Themen für nachhaltiges und naturbewusstes Leben

Solarstormanlage Schulhaus Rychenberg

Solarenergie macht Schule - Solarstromanlage für Schulhaus

Wer heute eine Solarstromanlage baut, kann rund 30 Jahre lang von der kostenlosen elektrischen Energie profitieren. Ein Pionierprojekt in Winterthur macht Schule und setzt den Erlös aus dem Stromverkauf wiederum in Klimaschutzprojekte um.

«Ohne die Sonne gäbe es kein Leben. Und wenn wir mit Solaranlagen Strom produzieren, ist diese Energie ein Geschenk der Sonne.» Hansjürg Germann erzählt, und die Begeisterung für das Thema Sonnenenergie ist ihm anzuhören und anzusehen. Der Schulleiter der Oberstufe Rychenberg in Winterthur ist daran mitbeteiligt, dass 2012 auf dem Schulhausdach eine 650 Quadratmeter grosse Solarstromanlage gebaut wurde. Sie produziert jährlich rund 90 000 Kilowattstunden Strom, was etwa dem Stromverbrauch des Schulhauses oder von 30 Haushalten entspricht. Dieser Strom wird ins Netz eingespeist – und von dort bezieht die Schule auch wieder ihren Strom. Mit der Vergütung für den Strom von jährlich rund 4500 Franken setzt die Schule in den Folgejahren Projekte zum Thema Energie und Klimaschutz um.

Die Sonne bescheint die Erdoberfläche täglich mit 220 Mal mehr Energie, als in der gleichen Zeit weltweit verbraucht wird. In einigen Stunden wird damit der Energiebedarf für die gesamte Weltbevölkerung für ein Jahr gedeckt. Die Einstrahlung beträgt rund 1000 bis 1500 kWh pro Quadratmeter und Jahr. In der Sahara ist die Einstrahlung «nur» 2,2 Mal höher als zum Beispiel in Winterthur. Eine Solarstromanlage ist somit auch in der Schweiz eine wertvolle Investition für die Zukunft. Heute installierte Solarmodule liefern über die gesamte Lebensdauer von mindestens 30 Jahren gratis Strom, der selbst verwendet oder verkauft werden kann.

Die ökologische Bilanz von Solarenergie

Hansjürg Germann sagt von sich, er sei immer schon ein umweltbewusster Mensch gewesen: «Wir haben nur diese eine Welt. Wir können keine zweite Welt aus dem Keller holen, wenn wir unsere erste Welt zerstört haben.» Deutliche Worte eines engagierten Mannes, der vom Nutzen der Sonnenenergie überzeugt ist. Denn Solarzellen wandeln Sonnenstrahlen ohne Abfall, Lärm, Abgase in elektrische Energie um. – Aber stimmt diese Aussage auch, wenn man die «graue Energie», also diejenige Energie, die es für Herstellung und Entsorgung der Solarzellen braucht, in die ökologische Bilanz miteinbezieht? Ja, sie stimmt. Denn je nach Produktionsbedingungen müssen bei der 30-jährigen Lebenszeit eines Dachs nur zwei bis drei Jahre angerechnet werden, um den CO2-Ausstoss von Herstellung und Entsorgung wieder auszugleichen. Damit die Solarenergie noch umweltfreundlicher wird, ist es wichtig, möglichst ressourcenschonend zu produzieren und die Solarmodule am Ende der Lebenszeit dem Recyclingkreislauf zuzuführen.

Hansjörg Germann, Schulleiter in Winterthur, bei der Einweihungsrede.

Für ein klimafreundliches Leben sensibilisieren

Gas, Kohle, Erdöl sind sowohl in der Produktion wie auch im Verbrauch sehr CO2-intensiv. Bei der Atomenergie bleiben die radioaktiven Abfälle während mehrerer zehntausend bis sogar mehrerer hunderttausend Jahre lebensbedrohlich. Sonnenenergie ist also tatsächlich eine bestechend einfache Art der Energieversorgung. Aber auch Hansjürg Germann, ein Mann mit Wissen und Erfahrung, brauchte den Anstoss der Klimaschutzbewegung myblueplanet (siehe am Ende des Artikel), um den ganzen Wert eines Projektes zu verstehen, das Solarstromanlagen baut und gleichzeitig Schülerinnen und Schüler und deren Umfeld sowie die ganze Gemeindebevölkerung für ein klimafreundliches Leben sensibilisiert.

In Winterthur entschieden sich der Schulleiter und die Lehrerschaft des Unter- und Oberstufenschulhauses Rychenberg nach dem 11. März 2011, bei «Jede Zelle zählt» von myblueplanet mitzumachen: «Die Katastrophe von Fukushima hatte die schrecklichen Auswirkungen aufgezeigt, die Atomenergie haben kann. Damals waren viele Menschen für das Thema sensibilisiert. Das stimmte uns zuversichtlich, die 2000 Solarzellen auch wirklich verkaufen zu können», sagt Hansjürg Germann. Die Schülerinnen und Schüler regten ihre Eltern zum Solarzellenkauf an und gingen in ihrem Quartier von Haus zu Haus, um die Bevölkerung vom Projekt zu überzeugen.

Und so waren denn die Solarzellen, jede zu 40 Franken, in weniger als einem Jahr verkauft; sie wurden auf der Website virtuell sichtbar gemacht.

Einen Beitrag zur Energiewende leisten

Am 5. Mai 2011, am Tag der Sonne, hatte die Kampagne mit einem Fest begonnen, es folgten Informationen, spannende Aktionen, an denen sich auch mehrere Persönlichkeiten aus Politik, Kultur und Gesellschaft beteiligten, und eine Projektwoche für das ganze Schulhaus. Dann kam die Bauphase. Am 11. Mai 2012 konnte das Solardach Rychenberg mit einem Fest eingeweiht werden. Alle Beteiligten hatten viel gelernt und praktische Erfahrungen zum Thema erneuerbare Energien gesammelt. Hansjürg Germann freut sich, «dass wir unseren kleinen Beitrag zur Energiewende leisten konnten».

Das Engagement für Solarenergie scheint sichtlich Spass zu machen.

Die Sonne strahlt aufs Rychenberger Solardach – und das Dach strahlt weiter aus: Es beweist, wie einfach und natürlich Sonnenenergie funktioniert und wie viel Treibstoff aus Atom, Kohle, Gas, Erdöl damit eingespart werden kann. Und wie spannend es sein kann, dieses erfolgreiche Projekt auch auf vielen weiteren Schulhausdächern umzusetzen. Hansjürg Germann jedenfalls freut sich: «Die Erfahrungen mit unserem Dach sind höchst positiv. Wir hatten bisher sogar mehr Ertrag, als wir das dachten, und werden dieses Geld nun in eine Leib, Seele, Geist umfassende Projektwoche zum Thema Energie einsetzen. Ich bin voller Hoffnung, dass man junge Menschen immer besser aufs Thema Nachhaltigkeit ansprechen kann.»

Text Cornelia Diethelm Fotos «Jede Zelle zählt»

 

So wird aus Sonnenenergie elektrischer Strom

Solarstromanlagen beruhen auf einem faszinierenden physikalischen Effekt: Licht erzeugt in den Solarzellen mit ihrer negativ und positiv leitenden Schicht ein elektrisches Feld. Verbindet man es mit einem Verbrauchsgerät, dann fliesst Gleichstrom. Ein Wechselrichter wandelt diesen in Wechselstrom um. Der daraus fliessende Strom wird über Kontakte an den Oberflächen der Zellen gesammelt. Mehrere zusammengeschlossene Solarzellen ergeben ein Solarmodul. In zwei bis drei Jahren produziert eine Fotovoltaikanlage die zu ihrer Produktion aufgewendete Energie (= graue Energie). Mindestens 30 Jahre lang liefert die Anlage Strom – bei minimalem Unterhalt. Der fotovoltaische Effekt wurde bereits 1839 vom französischen Physiker A. E. Becquerel entdeckt. Zur ersten technischen Anwendung kam es 1958 für die Energieversorgung von Satelliten. Die starke industrielle Nutzung setzte erst vor kurzer Zeit richtig ein. In den letzten fünf Jahren lag das Wachstum der Fotovoltaik-Branche weltweit bei über 35 Prozent jährlich.

So profitieren Sie von der Solarenergie:

  • Als Hausbesitzerin können Sie eine Solaranlage aufs Dach bauen. Unterstützung beim Vorgehen gibt der Schweizerische Fachverband für Sonnenergie Swisssolar. www.swisssolar.ch
  • Wenn Sie in Ihrer Region ein für Solarstrom geeignetes Schulhaus kennen, wenden Sie sich an «Jede Zelle zählt»: www.jzz.ch
  • Sie können aber auch beim Energiekauf auf Solarstrom aus der Steckdose setzen. Erkundigen Sie sich bei Ihrem Stromversorger nach den Bedingungen.

 

Sonne aufs Dach mit myblueplanet

Mit der Kampagne «Jede Zelle zählt – Solarenergie macht Schule!» setzt sich myblueplanet dafür ein, nebst Bildungsarbeit in den Schulen und in der Gemeinde Solarstromanlagen auf Schulhäusern zu bauen, und leistet damit einen Beitrag zu Klimaschutz und Energiewende. Die Fachleute von «Jede Zelle zählt» beraten Schulen bei der technischen Realisierung des Anlagenbaus vernetzen alle beteiligten Parteien und unterstützen zusätzlich die Lehrkräfte bei der Umsetzung des Bildungsauftrags zu den Themen erneuerbare Energien und Klimaschutz. Die Grundidee der Kampagne: Schulleitung, Lehrer, Schülerinnen eines Schulhauses, dessen Dach sich von der Ausrichtung und Neigung her für eine Solarstromanlage eignet, übernehmen die Verantwortung für die Energieproduktion. Gemeinsam verkaufen sie die benötigten Solarzellen an die Bevölkerung, realisieren das Solardach und profitieren danach vom Stromverkauf.

myblueplanet ist eine politisch und wirtschaftlich unabhängige Klimaschutzbewegung. Sie wurde 2006 in Winterthur von Menschen gegründet, die den Planeten Erde auch noch für künftige Generationen lebenswert erhalten wollen. myblueplanet will unter dem Motto «Wir zeigen im Kleinen, was im Grossen machbar ist» vor allem auf lokaler Ebene und im persönlichen Bereich konkret und messbar zum Klimaschutz beitragen, indem der CO2-Ausstoss reduziert wird. myblueplanet konzentriert sich dabei auf die drei Bereiche klimagerechtes Verhalten, Effizienz steigern und erneuerbare Energien.

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