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Naturzyt 2019 3

Natur bewahren: Themen für nachhaltiges und naturbewusstes Leben

Blumenwiese Naturpark Diemtigtal

Schweizer Pärke bewahren die Artenvielfalt

Seit dem 1. Dezember 2007 sind in der Schweiz die rechtlichen Grundlagen zur Schaffung von Pärken von nationaler Bedeutung in Kraft. Unterteilt werden die Pärke in die Kategorien Nationalpark, Regionaler Naturpark oder Naturerlebnispark. Was ist der Unterschied? Und was unternimmt ein regionaler Naturpark zur Erhaltung der Artenvielfalt?

Zu den wichtigsten Werten eines Parks gehören vielfältige Wälder und Gewässer, seltene Lebensräume wie Moore, Auen und Trockenwiesen sowie einzigartige, schöne Landschaften wie die Jurahöhen im Jurapark Aargau oder die Gletscher im Parc Adula (GR). Die Umgebungszonen von Nationalpärken und den Regionalen Naturpärken verfügen zudem über gepflegte Kulturlandschaften mit intakten Siedlungen und wertvollen Kulturgütern – wie das UNESCO-Welterbe Kloster St. Johann in der Biosfera Val Müstair (GR).

Die Schweizer Pärke bieten den Besucherinnen und Besuchern echte Naturerlebnisse, faszinierende Geschichten und den Genuss regionaler Spezialitäten. In den Kernzonen der Nationalpärke und der Naturerlebnispärke allerdings ist der Zutritt für Besucher(innen) nicht oder nur auf klar bezeichneten Wegen möglich. Hier darf sich die Natur frei und dynamisch ohne Störungen durch die Menschen entfalten.

In den Umgebungs- und Übergangszonen der Pärke sowie in den Naturpärken ist ein respektvoller Umgang mit den Lebensräumen, der Flora und der Fauna angesagt. Damit diese unbezahlbaren Werte der Natur auch den künftigen Generationen erhalten bleiben.

Nationalpark, regionaler Naturpark oder Naturerlebnispark?

Das Bundesamt für Umwelt (BAFU) zeichnet Pärke, die die Anforderungen des Bundes erfüllen, mit dem Parklabel für die Dauer von zehn Jahren aus. Die Einteilung erfolgt in drei Kategorien: Nationalpärke, Regionale Naturpärke und Naturerlebnispärke.

Nationalpark

Ein Nationalpark besteht aus einer Kern- und einer Umgebungszone. In der Kernzone kann sich die Natur in unberührten Lebensräumen frei entfalten. Menschliche Aktivitäten sind stark beschränkt. Die Umgebungszone umfasst Dörfer mit ihren naturnah bewirtschafteten Kulturlandschaften und ihrem touristisch und forstwirtschaftlich genutzten Gebiet; sie schirmt die Kernzone vor negativen Einflüssen ab. Der bereits 100-jährige Schweizerische Nationalpark untersteht einem eigenen Gesetz. Sein Parkgebiet ist eines der bestgeschützten Wildnisgebiete der Alpen.

Regionaler Naturpark

Ein Regionaler Naturpark ist ein ländliches Gebiet, das sich durch vielfältige Landschaften, eine reiche Biodiversität und einzigartige Kulturgüter wie die Rhätische Bahn im Parc Ela auszeichnet. Diese Werte sollen erhalten und gefördert, aber auch für eine nachhaltige Entwicklung der Region genutzt werden.

Naturerlebnispark

Ein Naturerlebnispark ist in eine Kern- und eine Übergangszone unterteilt. In der Kernzone bietet er der einheimischen Tier- und Pflanzenwelt unberührte Lebensräume. Die Übergangszone dient als Puffer für die Kernzone. Sie eröffnet vielfältige Bildungs-, Erlebnis- und Erholungsmöglichkeiten und leistet so einen wichtigen Beitrag zur Verbesserung der Lebensqualität der städtischen Bevölkerung. Ein Naturerlebnispark ist höchstens 20 Kilometer vom Zentrum einer Agglomeration entfernt und mit öffentlichen Verkehrsmitteln gut erreichbar. Zurzeit trägt dieses Label nur der Wildnispark Zürich.


Fakten und Zahlen zu den Schweizer Pärken

Sechzehn Pärke befinden sich in der Betriebsphase:

  • der Schweizerische Nationalpark (seit 1914),
  • die Unesco-Biosphäre Entlebuch (seit 2008),
  • der Wildnispark Zürich-Sihlwald und der Naturpark Thal (seit 2009),
  • die Biosfera Val Müstair (seit 2010),
  • die Naturpärke Binntal, Chasseral, Diemtigtal, Ela, Gantrisch, Jurapark Aargau und Gruyère Pays-d’Enhaut (seit 2011)
  • sowie Beverin, Doubs, Jura vaudois und Pfyn-Finges (seit 2012)

Vier weitere Parkprojekte (Nationalparkkandidaten Adula und Locarnese sowie Naturpark Neckertal und Naturpark Schaffhausen) haben mit der Errichtung begonnen und führen das Label «Kandidat». Weitere 3 bis 7 Projekte befinden sich in der Abklärung. Drei Pärke fallen auf die Kategorie «Nationalpark», einer auf Naturerlebnispark, die übrigen 16 auf die Kategorie «Regionaler Naturpark».

Fläche
Die 20 Pärke in Betrieb oder in Errichtung belegen insgesamt 632 603 Hektar bzw. 6325 Quadratkilometer. Dies entspricht 15.32% der Fläche der Schweiz.


REGIONALE NATURPÄRKE FÖRDERN DIE ARTENVIELFALT

Aktuell gibt es in der Schweiz 16 Regionale Naturpärke welche sich für Natur, Kultur und Wirtschaft der Region einsetzen. Wie sieht der Einsatz für die Natur genau aus? NATURZYT fragte beim Naturpark Thal im Kanton Solothurn nach.

Der Naturpark Thal setzt sich dafür ein, dass die Lebensräume bedrohter Tiere und Pflanzen erhalten und aufgewertet und langfristig gesichert werden. Wald, Weide und Weiher sind das Zuhause für viele Arten, etwa für die Aspisviper, die Heidelerche oder die Geburtshelferkröte.

«Im Artenschutz gibt es keine Generalrezepte», sagt Stefan Dummermuth, Reptilienbeauftragter Kanton Solothurn bei der Koordinationsstelle für Amphibien- und Reptilienschutz in der Schweiz (KARCH). Management in der Natur ist heute nötig, um die Artenvielfalt zu erhalten. Der Naturpark Thal hat zusammen mit Partnern (örtliche Natuschutzvereine, Pro Natura Solothurn, KARCH, Vogelschutzverband Kanton Solothurn sowie kantonalen Fachstellen) so genannte Zielarten festgelegt, die es besonders zu schützen und zu stärken gilt. Beispiele davon sind: das Gelbstielige Bärtchenmoos, die Birken- Schwarznapfflechte, der Felsen- Bauernsenf, die Gekerbte Jura-Haarschnecke oder die Heidelerche.

Zu ihrem Schutz und für weitere seltene Pflanzen und Tiere läuft eine mehrjährige Planung. Der Naturpark Thal hat Massnahmen eingeleitet, wie man die Räume Wald, Weide und Weiher für bedrohte Tiere und Pflanzen aufwerten kann.

Ein Reptilienhabitat im Naturpark Thal, mit lichten Wäldern. (Foto: Stefan Dummermuth)

Im Wald geht es vor allem um Licht und Wärme

Gemeinsam mit den Forstbetrieben bringt der Naturpark Thal mehr Licht in den Thaler Wald. An geeigneten Standorten wird der Wald durch Holzschlag aufgelichtet. Davon profitieren Tier- und Pflanzenarten, die auf Sonnenlicht und Wärme angewiesen sind, wie etwa der Gelbringfalter und seine Raupe, die Aspisviper oder die Grenobler Nelke. Sie alle stehen auf der Roten Liste der in der Schweiz vom Aussterben bedrohten Arten.

Bis Anfang des 20. Jahrhunderts herrschten für diese Arten vielerorts ideale Lebensbedingungen, weil der Wald durch die Menschen intensiv genutzt wurde: als Lieferant für Brennholz und als Weidegebiet zum Beispiel für Ziegen. Schon lange lohnt sich die Nutzung der steilen, schlecht zugänglichen und ertragsarmen Wälder nicht mehr. Wird aber kein Holz mehr geschlagen, wachsen die Bäume ungehindert. Das Kronendach wird dichter und es fällt immer weniger Licht auf den Waldboden. So verschwinden die Licht bedürftigen Arten im Wald. Der Naturpark Thal will diese Entwicklung stoppen. Dazu werden im ganzen Parkgebiet geeignete Waldstücke ausgesucht, in denen sich eine Aufwertung lohnt. Ausschlaggebend sind dabei folgende Fragen: Wie viele Arten sind noch vorhanden? Wie stark sind sie gefährdet? Mit welchen Massnahmen kann der Lebensraum erhalten und aufgewertet werden? Lohnt sich der Eingriff? Ist der Waldeigentümer einverstanden? Die Thaler Forstbetriebe führen im Wald die Arbeiten durch, der Naturpark Thal finanziert die Eingriffe grösstenteils. Manche Arbeiten sind von externen Geldgebern bezahlt, etwa engagiert sich der Fonds Landschaft Schweiz FLS im Naturpark Thal. Ausserdem finden in den Parkgemeinden sogenannte «Tage der Natur» statt, an denen die Bevölkerung mithilft, Wald, Weide und Weiher zu pflegen. Hans-Peter Rusterholz ist Biologe der Uni Basel und erklärt, weshalb diese Arbeiten nützen:
«Die Schmetterlingsfauna, Orchideen und Lilien reagieren sofort auf solche Eingriffe. Ihre Anzahl nimmt danach rasch zu.» Bei andern Arten dauert es drei bis fünf Jahre, bis man eine Veränderung des Bestandes feststellt. Diese Erkenntnis stärkt die Hoffnung, dass man in Thal in wenigen Jahren Veränderungen beobachten kann.

Auf Weiden geht es um Offenheit und Strukturvielfalt

In den Jahren 2009 bis 2012 richtete der Naturpark Thal bei der Artenförderung auf Weiden das Augenmerk auf die Heidelerche. Auf der Herbetswiler Allmend und im Gebiet Hinter Fluh Aedermannsdorf wurden für die Heidelerche Weiden aufgewertet. Die Heidelerche bewohnt mehr oder weniger offene, eher trockene und mit nur lückiger Vegetation versehene Landschaften. Sie ist eine Charakterart der Juraweiden. Ihr schöner und auffallender, flötender Gesang «Lululu», welcher meistens länger als eine Minute andauert, ertönt sogar nachts.

Die Mauereidechse fühlt sich wohl in den lichten Wäldern des Naturparks Thal. (Foto: Stefan Dummermuth)

An und in Weihern geht es um genügend Licht und beleibendes Wasser

Auch die Geburtshelferkröte gehört zu den bedrohten Tierarten in der Schweiz. Ihr Bestand nimmt sehr schnell ab. Hauptgrund ist der rasche und massive Verlust von Lebensräumen. Dem will der Naturpark Thal entgegenwirken. Bis 2015 sollen mehrere Weiher geschaffen oder aufgewertet werden.

Ein aktuelles Objekt ist der Rütiweiher in Laupersdorf. Hier ist der Bau von vier zusammenhängenden Weihern geplant. Das Grundstück gehört mehreren Umweltschutzorganisationen. «Das erlaubt uns, dieses Areal grosszügig für die Amphibien einzurichten. Welche schliesslich kommen, wissen wir nicht. Wir wollen einfach die Struktur für die Zuwanderung und Vermehrung schaffen», sagt Peter Geissbühler, Amphibienbeauftragter für den Kanton Solothurn bei der KARCH.

In der Nähe von Balsthal haben die KARCH-Vertreter Peter Geissbühler und Stefan Dummermuth unzählige Amphibienarten gesichtet, darunter die Geburtshelferkröte, der Fadenmolch und der Feuersalamander. Reptilien sind ebenfalls mit vielen Arten vertreten. Auch hier sind Arbeiten für diese Tiere vorgesehen. «Dem Naturpark Thal sind diese Arbeiten sehr wichtig. Wir setzen gezielt Geld, Wissen und Arbeitskraft ein, um Arten und Lebensräume im Parkgebiet zu schützen», sagt Richard Bolli, Leiter Naturpark Thal.

Fotos Stefan Dummermuth

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