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Naturzyt 2019 3

Natur bewahren: Themen für nachhaltiges und naturbewusstes Leben

Fleisch auf dem Grill

Labelüberblick für eine nachhaltige Grillzeit

Die Temperaturen steigen, die Tage werden länger, lauwarme Brisen streichen über die Haut und bringen den Duft des Sommers. Bald schon folgen die gemeinsamen Grill-Abende in trauter Zweisamkeit, mit Freunden oder der Familie.

Genüsslich werden die Grilladen mariniert, präpariert, zurechtgeschnitten und auf Spiesse drapiert. Auch das Gemüse und das Obst wird geschnipselt, gewickelt und farbenprächtig als Beilagen oder Desserts zusammengestellt.

Was gibt es Schöneres, als eine arbeitsreiche Woche beim Grillieren ausklingen zu lassen und mit Freunden Energie für die kommende Woche zu tanken? Das klingt herrlich, wenn nur der Aufwand um die Auswahl der Nahrungsmittel nicht wäre.

Wer behält schon den Überblick in diesem Dschungel an Aussagen, Produktlabels und Werbeversprechen? Haben Sie den Durchblick und wissen genau, was Sie essen? Oder gehören Sie auch zu den Personen, die sich eigentlich noch so gerne damit auseinandersetzen würden, aber aufgrund der Vielzahl und verwirrenden Aussagen aufgegeben haben?
NATURZYT versucht, ein bisschen Klarheit zu schaffen und Ihnen nützliche Informationen für Ihre nächsten Einkäufe oder Restaurantbesuche zu geben.

Die richtige Wahl ist nicht einfach

Es gibt fast unzählige Kriterien, welche bei der Vergabe der Lebensmittel-Labels zu erfüllen sind. Jedes Label hat eigene Kriterien zu Ökologie und Tierwohl, welche sich mit einem anderen Label überschneiden können. Auch gibt es mittlerweile Kombi-Labels (z.B. Bio + Naturaplan), welche die Vorgaben zweier oder mehrerer Labels erfüllen. Zudem erfüllen ökologische Labels (z.B. Bio) nicht immer auch soziale Belange, wie sie bei einem Fairtrade-Label (z.B. Max Havelaar) im Vordergrund stehen, oder nehmen gleich starke Rücksicht auf das Tierwohl. Beispielsweise gewichtet das Label Naturafarm das Tierwohl speziell hoch. Und genau diese Potenzierung der Möglichkeiten schafft die unübersichtliche Situation. Kein Label kann alle Anforderungen zu 100% abdecken. Daher gibt es nur den Weg, dass jeder für sich entscheidet, welches Label für ihn das Optimale ist und den eigenen Anforderungen genügt.

Der WWF Schweiz, der Schweizer Tierschutz und die Stiftung Konsumentenschutz haben im Oktober 2010 eine sehr umfassende Labelbewertung vorgenommen und die wichtigsten Labels punkto Nachhaltigkeit geprüft. Beurteilt wurden folgende Kriterien:

  • Umwelt (Wasser, Boden, Biodiversität, Klima [bei der Fischerei auch Fischereimanagement])
  • Tierwohl (genügend Tageslicht, Frischluftzufuhr, Auslauf, Bewegungsmöglichkeit, Qualität und Nachvollziehbarkeit der Nahrung, kurze Transportwege mit Wasser und Futter)
  • Soziale Aspekte
  • Risiken für Konsumenten und Dritte
  • Glaubwürdigkeit (Unabhängigkeit, Kontrolle, Geltungsbereich, Transparenz und Entwicklungsfähigkeit)

Tierwohl oder Umweltschutz

Im Hintergrundbericht «Labels für Lebensmittel» werden alle Kriterien zu Umwelt, Tierwohl, Sozialem, Risiken und Glaubwürdigkeit detailliert ausgewertet. Unter dieser Betrachtung wird verständlich, wie unterschiedlich die Labels in den einzelnen Bereichen abschneiden. Zum Beispiel schneidet das Weide-Beef Bio der Migros bei allen Kriterien sehr gut ab (siehe Abbildung 1) – Naturafarm von Coop ist punkto Tierwohl stark, zeigt im Bereich Umwelt aber Schwächen (siehe Abbildung 2). Konsumenten müssen also entscheiden: Liegt ihnen das Tierwohl stärker am Herzen oder der Umweltschutz?

Abbildung 1 - Weide-Beef Bio gut bis sehr gut in allen Bereichen.
Abbildung 2 - Naturafarm - sorgsam zum Tierwohl, weniger gut im Bereich Umwelt und Soziales
Detaillierte Auswertung und aktuelle Auswertung unter wwf.ch/de/lebensmittel-label-ratgeber


Als Konsumenten erwarten wir von den Produzenten umwelt- und tiergerechte Produktion unseres Fleisches. Wir sollten dabei aber nicht vergessen, dass auch die tier- und umweltfreundlichste Fleischproduktion aufgrund des grossen Ressourcenverbrauchs (Futtermittel) und des Methanausstosses zu Umweltbelastungen führt.

In der Schweiz werden pro Kopf und Jahr über 50 kg Fleisch konsumiert. Konkret heisst das: Wir essen im Jahr über 199 000 Tonnen Schweine, 91 000 Tonnen Geflügel, 80 000 Tonnen Rinder, 25 000 Tonnen Kälber, 9900 Tonnen Schafe und 13 000 Tonnen andere Tiere. Total über 400 000 Tonnen Fleisch, wovon 70 % über Migros und Coop verkauft werden. Solange zum Mittag- und Abendessen immer Fleisch auf dem Teller sein muss, wird diese Masse an Fleisch nie vollständig tier- und umweltgerecht produziert werden.

 

Ein paar weitere Anregungen zum Nachdenken zum Thema

Lebensmittelprodukton und nachhaltiger Konsum

Mich, Milchprodukte

Die Milch-Kuh produziert Milch, um ihr Junges, das Kalb, zu säugen. Wird sie regelmässig gemolken, gibt sie auch Milch, wenn das Kalb nicht mehr bei ihr ist. Sie muss jedoch wieder trächtig werden, um den Milch-Kreislauf aufrechtzuerhalten. Ein Milchwirtschaftsbetrieb hat in der Regel keine Verwendung für Kälber (ausser bei Nachzucht des eigenen Bestandes) und verkauft diese entweder an «Aufzuchtbetriebe» (wächst zum Rind heran) oder lässt sie zu Kalbfleisch verarbeiten. Die Milchleistung der Kuh hängt von ihrem Alter und Rasse ab. Bei Höchstleistung gibt eine Milchkuh zwischen 30 und 60 kg Milch pro Tag. Die sogenannten Hochleistungskühe werden durchschnittlich ca. 5 Jahre alt. Noch vor gut 20 Jahre gab eine Hochleistungskuh zwischen 15 und 30 kg Milch pro Tag und wurde im Durchschnitt 10 Jahre alt. Diese Entwicklung führt auch zu vermehrten Erkrankungen der Tiere (Euterentzündung etc.), was wiederum zu häufigerem Einsatz von Medikamenten führt.

Tierfreundlich gehaltene Hühner ...

Kalbfleisch

Kalbfleisch ist hart ausgedrückt ein «Abfallprodukt» der Milchproduktion. Entweder kostet es die «Aufzucht» und wird zum Rind, oder es wird geschlachtet. Kalbfleisch kann teurer verkauft werden und der Ertrag fliesst schneller, als wenn es zum Rind heranwächst. Rein wirtschaftlich gesehen ist es ein lukrativer Zweig, Kalbfleisch zu produzieren. In der Schweiz haben wir klare Bestimmungen, ab welchem Lebenstag das Kalb von der Mutterkuh genommen werden darf und was gefüttert werden soll, um genügend Nährstoffe zu erhalten und auch entsprechend qualitativ hochwertiges Fleisch zu liefern. Bei Kalbfleisch ist darauf zu achten, «rotes» Kalbfleisch zu kaufen. Denn bei weissem Kalbfleisch wurde das Tier mangelhaft ernährt. Wenig Eisen, welches zur Entwicklung der roten Blutkörperchen beiträgt. Diese sind wiederum für die Sauerstoffzufuhr des Körpers unabdingbar. Somit isst man eigentlich ein ungesundes Tier – weil das Fleisch im Volksmund als zarter und schmackhafter gilt, was absolut nicht der Wahrheit entspricht.

... schmecken auch besser.

Hühnerfleisch und Eier

Jeder kennt das Bild der glücklichen Hühner, welche glückliche Eier legen. Nun stelle man sich vor, dass diese glücklichen Hühner gar nicht so glücklich sind, sondern je nach Haltung mehr als 90% ihres Daseins auf ihrem verkoteten Nistplatz sitzen und aufgrund des Bewegungsmangels viele offene, entzündete Körperstellen aufweisen. Sie würden erschrecken, wie die Realität aussieht. Deshalb: legen Sie Wert auf Schweizer Eier aus biologischer Produktion. Bio-Eier garantieren regelmässigen Auslauf im Freien, kleine Herdengrössen und Futter aus biologischem Anbau.

Restaurantbesuche

Leider ist ein Restaurantbesuch kein Garant für gute Lebensmittelqualität. Dies ist abhängig vom Wirt und vom Koch. Die Zutaten werden nach eigenem Interesse zusammengestellt und auf der Karte angepriesen. Der Wirt ist verpflichtet, die Fleischherkunft eindeutig und ohne Aufforderung zu deklarieren. Und der Preis ist leider kein sicherer Indikator. Auch hier gilt: aktiv nachfragen und sich selbst eine Meinung bilden. Es gibt neben den unzähligen unabhängigen Restaurants auch organisierte Bio-Knospen-Restaurants oder «Goût Mieux»-Restaurants, wo sich der Wirt verpflichtet, Produkte aus tier- und umweltfreundlicher Produktion anzubieten.

Tierschutzbestimmungen

In der Schweiz weichen die Tierschutzbestimmungen von den europäischen Standards in manchen Punkten massiv ab. Dies betrifft die Haltungsbestimmungen, den Transportweg, die Tötung von nicht erwünschten Geschlechtern, Fütterung, Kontrolle, Tierarztkontrolle etc. In der Schweiz sind die Bestimmungen meist um vieles schärfer, was entsprechende Investitionen in den Produktionsbetrieben bedeutet. Dennoch sind Tierschutzbedingungen immer nur Richtvorgaben von Mindeststandards. Diese Standards müssen von sehr vielen Betrieben (auch Labors, Tierkliniken, Tierheimen etc.) erfüllt werden und sind daher immer als Mindestmass zu verstehen. Als nachvollziehbares Beispiel gemäss Tierschutzverordnung: Die benötigte Grundfläche für 4 Hauskatzen ist laut Tierschutzgesetz mindestens 7 m2. Können Sie sich vorstellen, Ihre Hauskatze nur im Badezimmer zu halten?

«MAN IST, WAS MAN ISST»

Jeder Konsument hat es in der Hand zu entscheiden, ob das gekaufte Lebensmittel seinen Vorstellungen von gesund und ethisch korrekt entspricht. Trauen Sie sich und fragen Sie nach oder, besser, verlangen Sie Qualität!

 

Label-Überblick für die nachhaltige Grillzeit

Die Tabelle widerspiegelt die Rangfolge der Labelbewertung von WWF, Schweizer Tierschutz und Stiftung für Konsumentenschutz unter Berücksichtigung aller Bereiche: Umwelt, Tierwohl, soziale Aspekte, Risiken für Konsumenten und Dritte und Glaubwürdigkeit mit Gesamtpunktzahl und Gesamtbewertung. Nicht bewertet wurden Herkunftslabel wie Swiss Garantie – sicher ist aber, wenn kein Label vorhanden ist, ist Fleisch aus Schweizer Herkunft zu bevorzugen. Stand Oktober 2010.
NATURZYT wollte wissen und analysierte deshalb, wie die Labels im Bereich Tierwohl (Tierhaltung) und biologische Produktion (Natur-/Umweltschutz) im Detail abschneiden. Die Spalte Tierwohl und Umwelt & Natur zeigt die Detailauswertung in diesen Bereichen. Die in Klammern gesetzten Zahlen entsprechen der maximal möglichen Punktzahlerreichung resp. den erreichten Punkten der Labels in den Kategorien. Die Vergabe sehr gut heisst, über 76 % der Punkte wurden erreicht. Gut 60 – 75 % erreicht.

Tipp - WWF-Ratgeber-App

Bewusst leben, nachhaltig handeln – sich selbst und unserem Planeten Gutes tun: Die WWF Ratgeber-App unterstützt Sie dabei! Der Einkaufsratgeber, saisonale Rezepte, praktische Umwelttipps und der Footprint-Rechner warten auf Sie und liefern Ihnen Antworten zu diesen Fragen:

  • Footprintrechner: Wie viele Planeten verbraucht Ihr Lebensstil?
  • Rezepte: Wie kochen Sie saisonal lecker?
  • Umwelttipps: Wie können Sie Ihren Alltag bewusster und nachhaltiger gestalten?
  • Ratgeber Fische & Meeresfrüchte: Welche Arten und Fangmethoden sind empfehlenswert?
  • Ratgeber Früchte & Gemüse: Welche Sorten haben gerade Saison?
  • Ratgeber Lebensmittellabels: Was garantieren die verschiedenen Labels im Detail?
  • Restaurantführer: Wo befindet sich das nächste «Goût Mieux»-Restaurant in Ihrer Nähe?
  • Geräte-Effizienzcheck: Lohnt sich der Austausch Ihrer Geräte aus ökologischer und finanzieller Sicht?
  • Ratgeber Haushalts-/elektronische Geräte: Welches sind die effizientesten Geräte?
  • Ratgeber Licht: Mit welchen Beleuchtungsmitteln lässt sich am meisten Strom sparen?

Fotos Fotalia.de, Quellen Proviande, Swissmilk, WWF, Schweizer Tierschutz

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