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Naturzyt 2019 3

Natur bewahren: Themen für nachhaltiges und naturbewusstes Leben

Mädchen in Weizenfeld

Umweltbewusst Essen der Natur zuliebe

Der CO2-Ausstoss des Toyota Yaris Hybrid beträgt 79 g/km. Kalbsgeschnetzeltes Zürcher Art mit Rösti verursacht 3700 g CO2 – dies entspricht 50 km Fahrleistung des Toyota bei gleicher Umweltbelastung durch CO2-Ausstoss.

Der Verbrauch des Toyota liegt bei 3.5 l/100 km – wer im Februar ein Kilo eingeflogene Spargeln aus Kalifornien einkauft, kauft 5 Liter Erdöl mit. Es erstaunt deshalb nicht, dass die Ernährung in Europa fast einen Drittel der Umweltbelastungen ausmacht. Doch im Gegensatz zur Mobilität findet man keine Kennzahlen, welche die gesamten Umweltaspekte transparent machen würden. Als Konsument stehen wir im Coop, Migros, Denner, Lidl, Aldi etc. vor vollen Regalen. Das Angebot ist unabhängig von der Saison vorhanden. Die Gewächsgurke aus Belgien kaufen wir bereits im Februar mit 1,1 Liter Erdöl. Denn die Schweizer Freilandgurke ist erst im Juni mit 0,1 Liter Erdöl reif. Aber für uns Konsumenten ist es nur ein feiner Gurkensalat, den wir das ganze Jahr geniessen können. Wäre uns bewusst, dass wir neben der Gurke Erdöl in den Einkaufswagen legen, würden wir umweltbewusster einkaufen.

Bei der Neuanschaffung eines Fahrzeuges achten wir auf weniger CO2-Ausstoss und Verbrauch. Auch bei Elektrogeräten stehen die Energie-Effizienzklassen für die Konsumenten zur Kaufentscheidung zur Verfügung. Wer sich umweltgerecht oder umweltbewusster ernähren möchte, findet indessen fast keine Informationen und Labels, welche die gesamten Umweltaspekte transparent machen würden. Dennoch können wir umweltbewusster konsumieren – wenn wir bewusster einkaufen und uns vor dem Kaufentscheid ein paar Gedanken machen.

Herkunft und Herstellung der Lebensmittel

Zur Herstellung der Lebensmittel wird viel Land und Wasser benötigt, Es werden Dünger, Pesitzide, Medikamente verwendet und es braucht Iandwirtschaftliche Infrastruktur wie Maschinen, Lager- und Kühlräume. Je nach Produktionsstandort werden die fertigen Lebensmittel mit dem Flugzeug, auf dem Seeweg oder Landweg mit dem Lastwagen transportiert, bis wir sie im Regal kaufen können. Bei all diesen Herstellungsschritten werden Emissionen freigesetzt, die Böden, das Wasser und die Luft belastet – wobei das zur Klimaerwärmung beitragende Treibhausgas CO2 den grössten Anteil ausmacht. Der Transport von 1 kg Obst und Gemüse im Flugzeug setzt rund 1105 g CO2 je 1000 km frei – die gleiche Menge per Lastwagen 188 g CO2 und per Schiffstransport 11 g CO2. Schiffstransporte sind somit recht klimafreundlich und 90 % der Waren wird heute damit transportiert. Der Nachteil: Die Schiffe produzieren Tieffrequenztöne, die Wale, Delphine und andere Meerestiere belasten. Wer an Durchgangsstrassen mit viel Verkehr wohnt, kann am besten nachfühlen, was das heisst. Deshalb gilt je lokaler produziert, desto lärmschonender und umweltfreundlicher für alle.

Lokale und saisonale, frische Bio-Produkte bevorzugen

Biologisch bewirtschaftete Flächen werden nicht mit Pestiziden belastet, es wird auf Kunstdünger verzichtet. Es wird deutlich weniger Wasserund Bodenverschmutzung verursacht. Die Tier- und Pflanzenarten profitieren von dieser Bewirtschaftung. Der Einkauf von lokalen und saisonalen Produkten verursacht weniger CO2, denn nicht-saisonale Produkte haben entweder lange Transportwege hinter sich oder sie wurden in beheizten Gewächshäusern angebaut, was bis zu 800 g CO2 pro Kilogramm Gemüse verursacht. Zudem werden in gewissen südlichen Regionen  - wie Südspanien, Marokko, Israel um einige zu nennen – grosse Wassermengen für die Produktion von Nahrungsmitteln beansprucht. Dies ist problematisch, denn der Verbrauch von nicht erneuerbarem Grundwasser als auch die energieintensive Meerwasserentsalzung belasten die Umwelt. Rückstände von Düngung und Spritzmitteln können sich im Wasser anreichern, in Grund- und Fliessgewässern bis in die Weltmeere gelangen und von da via Trinkwasser, Pflanzen oder Meeresfrüchten den Weg zurück in unsere Nahrung finden.

Umweltbewusst essen - regional und saisonal Produkte geniessen.

Weniger Fleisch essen

In der Schweiz hat sich der Fleischkonsum in den letzten 50 Jahren verdoppelt und wird sind mittlerweile bei 53 kg pro Person und Jahr angelangt. Dies entspricht in etwa 145 Gramm am Tag. Auf der gleichen Fläche, auf welcher 1 kg Rindfleisch produziert wird, könnten 80 kg Kartoffeln hergestellt werden. Auch wird rund die Hälfte der globalen Getreideernte für Futterzwecke verwendet. Fleisch deckt gerade mal 12 % unseres täglichen Energieverbrauchs, benötigt aber 70 % der Landwirtschaftsfläche weltweit. Zur Herstellung von einem Kilogramm Rindfleisch braucht es rund 15 500 Liter Wasser. Tierische Produkte sind in der Schweiz für 48 % der ernährungsbedingten Treibhausgas-Emissionen mit verantwortlich, denn Wiederkäuer produzieren bei der Verdauung und Ausscheidung Methangase, welche viel klimaschädlicher als CO2 sind. Auch die Futterproduktion braucht viel Energie und die Bodenerosion und Entwaldung für grössere Futterproduktion (im Amazonas) tragen ungünstig zur Klimaerwärmung bei.

Weniger ist mehr

Die Generation unserer Grosseltern wusste es: Weniger ist mehr – es braucht ja nicht jeden Tag einen Sonntagsbraten mit Butterrösti. Auch sollte man mit Lebensmitteln sorgsam umgehen: In der Schweiz werden durchschnittlich 94 kg Nahrungsmittel pro Person und Jahr weggeworfen. Eine kreative Restenküche ist nicht nur gut für die Haushaltskasse – sondern verbessert auch die Umweltbilanz unserer Speisekarte. Nachhaltig produzierte Feldfrüchte aus der Region schonen den Wasserhaushalt und den Boden – und schmecken erst noch besser; alte traditionelle Sorten und Nutzpflanzen aufzuspüren, erhöht die kulinarische Artenvielfalt nicht nur im Kochtopf. Wer weniger und tiergerecht produziertes Fleisch konsumiert sowie öfters mal auf ressourcenschonende Alternativen umsteigt, tut viel Gutes für die Umwelt und die eigene Gesundheit. Denn mit vermehrt pflanzlichen Produkten wird unsere Kost vielseitiger und vitaminreicher. Und auch an den Festtagen müssen es nicht immer eingeflogene Spezialitäten sein.

Bei Fisch auf MSC und Bio achten

Viele unserer Meere sind überfischt und die Lebensräume von Meerestieren durch fragwürdige Fangmethoden stark bedroht. Konventionelle Zuchten sind keine wirkliche Alternative. Beim Kauf von Meeresprodukten ist es deshalb empfehlenswert auf das MSC-Label (Marine-Stewardship-Label) zu achten. Eine gute Wahl sind auch inländischer Fisch oder Fisch aus Biozuchten.

 

Die wichtigsten Tipps, um umweltfreundlicher zu essen

Besser pflanzlich statt tierisch

Ein vegetarisches Gericht mit Obst, Gemüse und Getreide belastet das Klima dreimal weniger als ein Gericht mit Fleisch, denn es werden 70 % weniger Wasser sowie 60 % weniger Energie benötigt. Also öfters mal fleischlos essen und auch mit fettreichen Milchprodukten (Butter, Rahm, Hartkäse) sparsamumgehen. 

Freiland

Achten Sie beim Kauf von frischem Gemüse auf saisonale Freilandproduktion. Dieses belastet das Klima im Schnitt neunmal weniger als das aus beheizten Treibhäusern, die viel Energie benötigen.

Regionale Produkte

Kaufen Sie regionale Lebensmittel oder Lebensmittel aus der Schweiz. Damit fördern Sie die Schweizer Produzenten und kurze Transportwege ins
Ladenregal.

Bio

Wer Bio-Produkte kauft, setzt auf naturnahe Produktion, angfristige Bodenfruchtbarkeit, tiergerechte Haltung und Stärkung der Biodiversität.

Artgerecht

Achten Sie auch auf artgerechte Tierhaltung. Tiere, die regelmässig ins Freie dürfen, sind zufriedener und gesunder. Das wirkt sich auch auf die Qualität des Fleisches aus.

MSC- und Bio-Fisch

Achten Sie beim Fischkauf auf das MSC- und Bio-Label 

Massvoll einkaufen

Nur einkaufen, was Sie auch zum Essen brauchen, und verwerten Sie die Essensreste konsequent. Denn rund 30 % der eingekauften Nahrungsmittel landen im Abfall.

Mehr Informationen unter:
www.myblueplanet.ch
www.eaternity.ch
www.wwf.ch/essen

Fotos fotalia
NATURZYT dankt den Mitautoren myblueplanet und Eaternity, die sich mit dem Projekt «Klimamenü» dafür engagieren, klimafreundliches Essen einem breiten Publikum schmackhaft zu machen und den Zusammenhang zwischen Ernährung und Umwelt aufzuzeigen.

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