Naturzyt 2019 3

Natur bewahren: Themen für nachhaltiges und naturbewusstes Leben

Die ProSpecieRara-Sorten sind grundsätzlich für jedermann frei zugänglich

Patente gefährden die Biodiversität

Was hat ein Patent auf einen Automotor mit einem Patent auf ein natürliches Maisgen gemeinsam? Eigentlich nichts! Und dennoch werden beide Patentansprüche gleich behandelt. Die Auswirkungen auf die Biodiversität und unsere Ernährungssicherheit sind verheerend.

In jahrelanger Feinarbeit haben es die Juristen der Saatgutkonzerne und EU-Behörden gemeinsam mit den Vollstreckern des Europäischen Patentamtes geschafft, ein komplexes juristisches Gebäude um die Patente auf Leben zu errichten. Das Ziel dieses Werkes scheint darin zu bestehen, dass es jedem sogar naturwissenschaftlich gebildeten, aber eben nicht juristisch beschlagenen Menschen verunmöglicht wird, den heutigen Debatten noch folgen zu können. Die Absurdität der Situation hat ein derartiges Ausmass erreicht, dass selbst viele Züchterfirmen, die eigentlich in erster Linie von den Patenten auf Leben profitieren sollten, mit der aktuellen Situation nicht mehr leben bzw. überleben können. Es sieht ganz danach aus, als ob einige, vor allem mittelständische Saatgutfirmen die Geister, die sie in den 1980er-Jahren riefen, gerne wieder los wären.

Europa hat nachgerüstet

Was ist geschehen? Eigentlich gab es seit Jahrzehntenbereits eine erprobte Möglichkeit für Züchter, ihre neu gezüchteten Sorten über das Sortenschutzsystem schützen zu lassen und damit exklusive Verwertungsansprüche auf ihre Neuentwicklungen zu erheben. Viele Saatgutfirmen gediehen und entwickelten sich auch ohne den Patentschutz prächtig – und doch ... Der Patentschutz, der in den USA mit Beginn der Gentechnik stark ausgeweitet wurde, versprach den Züchterfirmen einen deutlich erweiterten Schutz ihrer Produkte und damit höhere Profite. Die EU, die das Thema Biotechnologie im Vergleich zu den USA lange vernachlässigt hatte, kam plötzlich unter Druck und passte ihre rechtlichen Grundlagen im Hauruckverfahren an, um der Konkurrenz gewachsen zu sein. Mit der 1998 verabschiedeten Biopatentrichtlinie wurden auch in Europa Patente auf Leben ermöglicht. Trotz grosser Widerstände aus der Zivilgesellschaft wurden auch die nationalen Patentgesetze nach und nach den EU-Vorgaben angepasst – so auch in der Schweiz.

Juristen- statt Züchterwissen entscheidet

Heute können wir nur noch verständnislos den Kopf über verschiedene patentrechtliche Auswüchse schütteln. Wie ist es beispielsweise möglich, dass nicht mehr nur eindeutig technische Erfindungen (wie es der Automotor zweifellos war) geschützt werden können, sondern auch Entdeckungen in der Natur – wie bereits vorhandene Gensequenzen – Patentschutz erhalten? Wie ist es möglich, dass Pflanzen, die über herkömmliche Kreuzungszüchtung entstanden sind, plötzlich patentierbar sind? Wie kann es möglich sein, dass Pflanzen den Patentschutz nach 25 Jahren nicht automatisch verlieren und damit der Allgemeinheit wieder frei zur Verfügung stehen? Die Antworten auf diese Fragen finden wir mit grosser Wahrscheinlichkeit im Patentgesetz, den dazugehörigen Verordnungen und vor allem in verschlungenen, gerichtlichen Auslegungen derselben. Dieser Zustand ist kaum nachvollziehbar und absolut inakzeptabel!

In der Samenbibliothek von ProSpecieRara lagert Saatgut von über 1250 Gemüse- und Zierpflanzensorten - ein unschätzbar wertvolles Gut.

Freies Saatgut für eine gesicherte Ernährung

Es müssen dringend neue Wege gefunden werden, wie Bauern (vor allem in den sogenannten Entwicklungsländern) den Zugang zu nachbaufähigem, ihren Bedingungen angepasstem Saatgut behalten (und wiedererlangen) und wie Züchter unter rechtlich sicheren Bedingungen ihrer Arbeit nachgehen können, damit die Ernährungssicherheit weltweit garantiert werden kann. Zu stärken sind die vielen bereits heute existierenden ermutigenden Ansätze, in denen z.B. die Zivilgesellschaft zusammen mit professionellen Züchtern versucht, alternative Konzepte zu entwickeln. Nicht zuletzt ist auch die Arbeit von ProSpecieRara ein Teil der Lösung, da dank ihr heute und in Zukunft viele Menschen auf eine sehr grosse Anzahl von Sorten zurückgreifen können, die frei verfügbar und nachbaubar sind.

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