fbpx

Naturzyt 2019 3

Natur bewahren: Themen für nachhaltiges und naturbewusstes Leben

Alte Tierrasse die Kupferhalsziege

Alte Tierrassen, regional entstanden, national gerrettet

Fast alle alten Tierrassen, die bis heute überlebt haben, stammen aus dem Alpenraum. Deren Rettung und Erhaltung spielen sich jedoch oft nicht in ihrem Ursprungsgebiet ab. Was aus kulturellen Gründen und aus Sicht traditioneller Tierhaltung auf den ersten Blick irritiert, ergibt für ein Rettungsprojekt durchaus Sinn.

Sein Name verrät die Herkunft des Bündner Oberländer Schafes. Es stellt mit seinen Nalpser, Vriner und Somvitger Wurzeln den klassischen Alpenschaf-Typ dar. Betrachtet man die geografische Verteilung der heute lebenden Tiere, so fällt auf, dass die alte Rasse in ihrer Heimat kaum vertreten ist, dafür aber in weiten Teilen der Voralpen und des Mittellandes. Dieses Phänomen ist bei vielen alten Nutztierrassen zu beobachten – es erzählt uns von der Geschichte ihrer Rettung. Auch bei den ProSpecieRara-Rettungsprojekten für akut bedrohte Rassen, wie z.B. die Capra Grigia oder die Kupferhalsziege, zeigt sich dasselbe Bild. Wie kommt das?
Gerät eine Rasse in die Gefahr, für immer auszusterben, passiert ihr dies in ihrem ursprünglichen Habitat. Aus vielerlei Gründen kommt sie bei der Wahl der Bauern nicht mehr in die Kränze. Oft ist der Grund dafür, dass sie weniger Fleisch oder Milch liefert als eine moderne Leistungsrasse. Aber auch die Abwesenheit eines Netzwerks von gleichgesinnten Züchtern in Form eines Vereins sowie das Ausbleiben von Anerkennung für die Tiere führt zur kulturellen Entwurzelung einer Rasse.

Bündner Oberländer Schaf auf einem Betrieb im luzernischen Willisau

Die Faszination des seltenen

Hier kommt ProSpecieRara auf den Plan, recherchiert nach den letzten verbliebenen Tieren und macht auf das drohende Verschwinden aufmerksam. In der Folge berichten die Medien fasziniert über ein fast verlorenes Stück Kulturgut und helfen so, Menschen zu motivieren, bei der Rettung aktiv mitzuhelfen. Fast immer handelt es sich dabei um Leute, die ausserhalb der ursprünglichen Heimat der seltenen Rasse wohnen. Das «ProSpecieRara-Phänomen», die Motivation und Freude also, die Menschen aus dem Bewusstsein ziehen, raren und bedrohten Tieren eine Perspektive zu geben, scheint mit der Entfernung zum Ursprungsort der Rasse zuzunehmen. Da genau diese Motivation der Motor vieler Erhaltungsprojekte ist, erfolgt der Wiederaufbau der Bestände der traditionellen Alpenrassen vor allem im Mittelland und in den Voralpen.

Viele kleine statt wenige grosse Herden

Verstärkt wird dieser Effekt durch die bewusste Projekt-Strategie, möglichst viele kleinere Zuchtgruppen dezentral aufzubauen. Ein Unterfangen, das nicht immer einfach ist, denn die motivierten Tierhalter sehen gerne, wie ihre Herden wachsen. Hier kommt es ProSpecieRara entgegen, dass kleinere Hobby- oder Nebenerwerbsbetriebe nicht unlimitiert Stallplätze besitzen und schon nach wenigen Jahren aus Platzgründen Tiere abgeben müssen. Nebst dem geringeren Risiko, viele Tiere auf einmal, z.B. durch Krankheit oder Unfall, zu verlieren, werden in vielen kleineren Herden zudem mehr männliche Zuchttiere gehalten, als dies in wenigen grossen Gruppen der Fall wäre. Und genau das ist für den Aufbau einer gesunden Population mit möglichst wenig Inzuchtproblemen ein gewaltiger Vorteil.

Im Exil gerettet und wieder zurück in der Heimat: Engadinerschaf

Zurück in die Heimat

Schön ist es zu sehen, wenn nach Jahren beharrlicher Bemühungen, die Bestände erstarken und eine Wiederbesiedlung der ursprünglichen Heimat beginnt. So zogen in den vergangenen Jahren wieder vermehrt Engadinerschafe auf Höfen im Engadin ein. Auch sie waren in ihrem Ursprungsgebiet quasi verschwunden, während die Rasse im Unterland überlebte. Die genügsamen und stolzen Schafe mit ihren charakterstarken Köpfen und ihren typischen Hängeohren, im Engadin zu sehen, motiviert mich ungemein und ist eine schöne Bestätigung für die unermüdliche Arbeit aller Züchterinnen und Züchter.

Fotos Philippe Ammann, Bereichsleiter Tiere ProSpecieRara

JEDES NATURPROJEKT ZÄHLT! JEDES ABONNEMENT HILFT!

Naturzyt 2019 JuniDas NATURZYT Magazin abonnieren und gleichzeitig Naturprojekte schützen. 20% des Abo-Preises fliessen aktuell ins Projekt "Wildbienen schützen" von wildBee.ch.

Mehr Natur erfahren, bewahren und erleben. Ein gutes Gefühl mit NATURZYT.

Abonnieren

 

NATURZYT Newsletter

 abonnieren 

Folgen Sie uns

Naturzyt Facebook

Mehr Natur erfahren

Mehr Themen rund um unsere Wildtiere und Wildpflanzen. Erfahre mehr über sie. Und erfahre mehr über sie im tierisch guten Interview.

Mehr Natur bewahren

Mehr Themen rund um Nachhaltigkeit und naturbewussterem Leben. Im Garten und unterwegs und vieles mehr.

Mehr Natur erleben

Mehr Themen rund um die Natur zum erleben erwarten Dich. Wanderideen, Naturausflüge, Natur hautnah erleben und vieles mehr? 

NATURZYT.ch benutzt Cookies, um seinen Benutzern das beste Webseiten-Erlebnis zu ermöglichen. Ausserdem werden teilweise auch Cookies von Diensten Dritter gesetzt.
Zur Datenschutzerklärung OK