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NATURZYT-Ausgabe September 2020

Nachhaltig leben, Themen für mehr Nachhaltigkeit im Alltag

Appenzeller Barthuhn zum Glück kein Hyprid

1+1=3? Oder leistungsstarke Hybrid-Hühner!

1+1=3? Mit züchterischen Tricks versorgen wenige Grosskonzerne die Welt mit leistungsstarken Hybrid-Hühnern. Die Monopolisierung der Genetik und ausgeklügelte Zuchtsysteme schaffen Abhängigkeiten und verhindern, dass kleinere Betriebe ihre Hühner selber nachzüchten können.

Hoher Preis für Spitzensportler

Aber was sind Hybriden? Anders als bei der Rassenzucht, wo gleich mit gleich verpaart wird und daraus Jungtiere hervorgehen, die ihren Eltern gleichen, werden in der Hybridzucht verschiedene Rassen miteinander gekreuzt. Das Produkt daraus ist ein Hybrid, ein neues Tier, das sich von seinen Eltern unterscheidet. Der Unterschied kann äusserlich sein, aber auch die Leistung des Tieres betreffen. 

Bei den Hühnern sind das Tiere mit gesteigerter Lege- oder Mastleistung. Heterosis-Effekt nennt dies der Fachmann und weil es so gut geht, wird dies beim Geflügel gleich doppelt angewendet: Aus vier verschiedenen Grosselternrassen entstehen im ersten Schritt zwei nicht verwandte Elternhybriden, die wiederum miteinander verpaart werden. Als Endprodukte gehen die eigentlichen Legehybride hervor. Nur so lassen sich Hennen züchten, die jährlich mehr als 300 Eier legen oder Masthühner, die pro Tag über 50 Gramm zunehmen.

Auf den ersten Blick ist dies eine eindrückliche Sache: 1+1 gibt in der Hybridzucht also mehr als in der konventionellen. Dieser Vorteil wird jedoch mit Abhängigkeit bezahlt. Denn züchtet man mit zwei gleichen Hybridtieren weiter, gehen die Heterosis-Vorteile wieder verloren. Es ist dieses Phänomen, das den wenigen Grosskonzernen in die Hände spielt. Denn für die Geflügelhalter bedeutet dies, dass er immer wieder von neuem Küken oder Junghennen von seinem Lieferanten beziehen muss, um auf gleichem Produktionsniveau zu bleiben.

Mit der eigenen Zucht kann der Biohof nebest Eiern auch Hennen verkaufen.

Frei vermehrbare Rassehühner

Rassehühner wie das Schweizerhuhn oder das Appenzeller Barthuhn werden sicher nicht die Wirtschaftsgeflügel-Hybriden ablösen. Es gibt jedoch viele gute Gründe, sich für die Erhaltung und Förderung der alten Rassen einzusetzen. So eignen sich diese für Menschen, die sich selber versorgen möchten, indem sie ihre Hühner über Generationen frei und mit immer denselben Eigenschaften nachziehen. Zudem profitieren die Selbstversorger von der Robustheit, Genügsamkeit und Langlebigkeit der alten Rassen, die zwar in der Tagesleistung von ihren Hybridgenossen übertrumpft werden, aber dafür auf der Zeitachse punkten: Während Leistungslegehennen nach einem Jahr ausrangiert werden, weil sie nicht mehr die gewünschte Leistung erbringen, sorgen traditionelle Rassen über mehrere Jahre für gefüllte Legenester.

Wertvolle Genetik erhalten

Nicht selten fällt das Argument, Rassegeflügel seien vor allem attraktive Hobbytiere. Ein Blick auf die global verarmte Genetik in den Händen weniger Zuchtgiganten macht aber deutlich, wie schmal die züchterische Basis geworden ist. Ob neue Seuchen, Klimawandel oder Wirtschaftskrisen: Was immer auf uns zukommen wird, wir sind gut darin beraten, einen möglichst breiten Genpool bereit zu halten. 

Ein erst geschlüpftes junges Appenzeller Barthuhn-Kücken.

Fotos Philippe Ammann Bereichsleiter Tiere, ProSpecieRara

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